Du möchtest fotografieren lernen und ziehst dafür eine Fotoreise oder eine eintägige Fototour in Betracht? Du fragst dich aber, ob sich das lohnt? Ich habe schon mehrere Fotoreisen und Fototouren gemacht und berichte dir hier von meinen Erfahrungen. Wenn du ein paar Punkte beachtest, kannst du mit einer Fotoreise oder Fototour deine Fotografie-Kenntnisse wesentlich verbessern. Und jede Menge Spaß inklusive!

SO FING ALLES AN…

Als ich mir meine erste Kamera gekauft hatte – damals noch eine EOS 350D – habe ich vor allem mit Büchern versucht mir das nötige Fachwissen anzulesen. Das klappte – wenn man es positiv ausdrückt – teilweise. Ich habe die mit Fachwörtern gespickten Texte immer wieder gelesen – und doch nur halb verstanden. Einige der Bücher hatten zwar super Kritiken – waren aber für meinen Kenntnisstand schon viel zu speziell. Es wimmelte von Fachwörtern wie Brennweite, Blende, Belichtungszeit, Schärfentiefe, Belichtung – und ich hatte schon Probleme, die einzelnen Begriffe auseinander zu halten.

Auch in den Foren für Fotografie-Anfänger fand ich die meisten Tipps weniger hilfreich, sie warfen eher neue Fragen auf als zu helfen:

Tipp im ForumMeine Gedanken
Wenn du viel Bokeh haben möchtest, zoome möglichst weit hinaus.Aber was bedeutet „hinauszoomen“ und was um Himmels Willen ist ein Bokeh?
Kümmere dich um eine gute Bildgestaltung.Würde ich ja gern aber worauf muss ich achten?
Fotografiere auf A und kümmere dich nur um die Blende.Was genau heißt „A“ und wie kann ich mich um die Blende kümmern?
In dieser Situation solltest du abblenden.Was heißt abblenden? Was genau muss ich tun, um abzublenden?
Blende weit schließen.Und wie? Ist das eine große f-Zahl oder eine kleine? In welchem Modus muss die Kamera dafür sein?

Und das Kamerahandbuch? Auch nicht wirklich eine Offenbarung. Da ich trotzdem unbedingt das Fotografieren lernen wollte, entschied ich mich irgendwann für eine Fotoreise. Die Auswahl war groß und gleichzeitig schwer. Er sollte nicht zu teuer sein, die Dozenten sollten nett, geduldig und qualifiziert sein, der Kurs sollte möglichst an einem schönen Ort stattfinden – die Liste mit den Anforderungen wurde immer länger. Und die Entscheidung immer schwerer.

MEINE ERSTE FOTOREISE – 5 TAGE AUF DEM DARSS MIT DER FOTOSCHULE DES SEHENS

Ich verbrachte Tage damit im Internet zu recherchieren, bis ich schließlich bei der “Fotoschule des Sehens” von Martina und Peter fündig wurde. Und so verbrachte ich 5 Tage auf dem wunderschönen Darss mit einer tollen Gruppe von 8 Fotolehrlingen und zwei Lehrern.
Das waren super entspannende, tolle Tage! Peter und Martina sind geduldige Lehrer – Peter ist Fotografenmeister und Martina Biologin. Egal, was wir wissen wollten – die beiden hatten eine Antwort. Die Gruppengröße war angenehm, ich konnte all meine Fragen loswerden, ohne lange warten zu müssen. Es gab kurze Theorieeinheiten und dann versuchten wir das Erklärte sofort in die Praxis umzusetzen. Wir waren den ganzen Tag in der Natur unterwegs und abends haben wir uns in der Pension zur Bildbesprechung getroffen.

Ehrlich gesagt habe ich nicht viele gelungene Fotos von dieser Fotoreise. Es war viel Ausschuss dabei und ich war sehr dankbar, dass ich in RAW fotografierte und dadurch wenigstens den Weißabgleich korrigieren konnte. Ich hatte nämlich den gesamten ersten Tag mit dem falschen Weißabgleich fotografiert und dadurch hatten alle meine Fotos einen störenden Blaustich. Aber was ich in diesen Tagen gelernt habe, hat mir die Tür zur Welt der Fotografie geöffnet. Ich hatte jetzt eine Basis, auf der ich aufbauen konnte.

WEITERE KURSE BEI DER FOTOSCHULE DES SEHENS

Ich war jetzt vom Fotografie-Virus infiziert und belegte weitere Kurse, allerdings nur noch eintägige:

  • Table-Top-Fotografie
  • Nachtfotografie
  • Fotospaziergang im Bode-Tal in meiner schönen Heimat, dem Harz.

MEIN FAZIT ZUR FOTOSCHULE DES SEHENS

Die Kurse bei Martina und Peter haben mir jedes Mal Spaß gemacht und ich habe viel gelernt. Die beiden haben nicht nur ein großes fotografisches, sondern auch biologisches Fachwissen und sind um keine Erklärung verlegen. Sie sind nicht „technikverliebt“ und helfen dir dabei, das Optimale aus genau der Ausrüstung herauszuholen, die dir im Moment zur Verfügung steht. Beim Fotospaziergang im Bodetal zum Beispiel hatte eine Teilnehmerin eine analoge Spiegelreflex-Kamera – kein Problem für Peter! Auch das Preisleistungsverhältnis überzeugt bei den beiden. Die theoretischen Grundlagen wurden uns außerdem ausgedruckt in einem kleinen Hefter zum späteren Nachschlagen überreicht.

WEITERE ERFAHRUNGEN MIT FOTOTOUREN BZW. -KURSEN

Trotz dieser positiven Erfahrungen habe ich in der Zwischenzeit noch bei anderen Anbietern Kurse gemacht, denn ich wollte gern noch weitere Inspirationen bekommen. Zum Beispiel bei Liz & Jewels zur Food-Fotografie. Liz & Jewels sind zwei recht bekannte Food-Blogger, von denen damals eine in Amerika lebte und die andere in Münster. Mittlerweile sind beide wieder in Deutschland ansässig. Die beiden haben regelmäßig ein- und dasselbe Gericht gekocht, es unabhängig voneinander fotografiert und diese Bilder samt Rezept dann veröffentlicht.

Manche Bilder sind dabei sehr ähnlich (Beispiel: die Franzbrötchen), manche aber auch sehr verschieden (Beispiel: der Seelentröster). Das Konzept kam gut an und mittlerweile haben die beiden mehrere Bücher herausgebracht, leiten Foto-Workshops und sind eine sehr bekannte Größe am Food-Blogger-Markt.

Im Vergleich zu den Kursen bei Martina und Peter war dieser Kurs eher im höheren Preissegment angesiedelt. Coole Location, coole Workshopleiterinnen, unterstützt durch Fotodesignerin Dietlind Wolf, und ein ganz anderer Teilnehmerkreis als bei der Fotoschule des Sehens. Dem Thema angemessen nahmen hauptsächlich Food-Bloggerinnen teil.
Es war super interessant so viele kreative, erfolgreiche und aufstrebende Food-Blogger in einem Raum zu erleben. Auch der Vortrag von Dietlind Wolf war absolut beeindruckend, ich hatte mir vorher noch nie Gedanken darüber gemacht, wie aufwändig die Vorbereitung eines Food-Foto sein kann.
Gelernt habe ich auch viel, z.B. zu Themen wie:
  • Kamera-Basics
  • Bildaufbau
  • Farben
  • Linienführung
  • Atmosphäre
  • mögliche Requisiten
  • Marketing für Blogger
Die Teilnehmerzahl war deutlich höher und der Preis ebenfalls. Mittlerweile kostet ein eintägiger Workshop bei den beiden 490 Euro – zum Vergleich: der 5-Tages-Kurs auf dem Darss bei der Fotoschule des Sehens kostet 495 Euro. Das ist schon ein Unterschied… Ich konnte aus der aktuellen Kursbeschreibung allerdings nicht herauslesen, ob die Teilnehmerzahl jetzt niedriger ist als damals. Natürlich ist bei den beiden auch mehr im Preis inkludiert – die Location, Mittagessen, Snack, die Profi-Dozentin, die Lebensmittel und ein prall gefüllter „Goodie Bag“.
Auch der Kurs war eine tolle Erfahrung, die ich nicht missen möchte!

FOTO- UND BLOGGING-KURS MIT CLARA UND RICARDA VON BLOGST

Ricarda (23qm Stil) und Clara (Tastesheriff) sind ebenfalls sehr bekannt in der Blogger-Szene. Sie sind die Organisatorinnen der beliebten Blogst-Konferenz, die leider immer viel zu schnell ausgebucht ist. Auch bei den beiden habe ich ein Tagesseminar mitgemacht, das sich einerseits mit dem Bloggen und andererseits mit Food-Fotografie beschäftigt hat. Der Teilnehmerkreis war kleiner und der Preis war niedriger als bei Liz&Jewels.

Ricarda und Clara sind zwei offene und lustige Workshop-Leiterinnen – da ist Spaß vorprogrammiert. Durch die kleine Gruppengröße war es sehr einfach, Kontakt zu anderen zu knüpfen und sich auszutauschen. Der Fokus lag hier weniger auf der Theorie rund um Blende, Belichtungszeit und Co., sondern mehr auf dem Bloggen und der Bildgestaltung.
Ebenfalls eine gelungene Veranstaltung! Allerdings hängt mein Herz mehr an der Naturfotografie…

NATURFOTOGRAFIE LERNEN MIT SVEN HERDT – DEM FOTO-TRAUMFAENGER

Kürzlich habe ich mal wieder einen mehrtägigen Kurs besucht, und zwar bei Sven Herdt im Berchtesgadener Land. Die Gegend rund um Berchtesgaden stand schon länger auf meiner Wunschliste der zu besuchenden Foto-Locations. Aber allein? Wenn man keine Ortskenntnisse hat und nicht weiß, wann zu welchem Zeitpunkt die besten Möglichkeiten sind? Da ist doch ein Kurs optimal. Und der Austausch mit anderen Fotografie-Interessierten ist auch immer wieder hilfreich.
Sven lebt von der Naturfotografie und kennt sich in der Umgebung sehr gut aus. Er führte uns bereits morgens zum Sonnenaufgang an die schönsten Stellen der Gegend. Nur um das kurz klar zu machen: das bedeutet im Mai “Abfahrt um 4:30 Uhr”. Aber es hat sich gelohnt!
Nach der Sonnenaufgangstour wurde gemeinsam gefrühstückt und dann ging es wieder auf Tour. Dabei sind wir auf Berge gestiegen (das war weniger schlimm, als es sich jetzt anhört), haben Murmeltiere gefüttert und sind über eine Leiter in die Almbachklamm hinabgestiegen. Zwischendurch durften wir bei den Dreharbeiten für „Die Bergretter“ zusehen, allerdings fanden wir die Murmeltiere doch sehr viel interessanter. Abends kamen wir dann k.o. aber zufrieden ins Hotel zurück.
Ich musste zwar nicht mehr lernen, wann welche Blende benutzt wird und welches Programm ich am besten verwende. Trotzdem gibt es bei jedem Fotokurs wieder etwas, was mich einen Schritt weiterbringt. Außerdem musste ich die Touren nicht selbst planen, sondern setzte mich einfach ins Auto und wurde an die schönsten Stellen gebracht. Sehr praktisch! Und damit hat sich das Ganze doch sofort gelohnt.

Besonders interessant finde ich immer die Bildbesprechung. Wir waren alle zur selben Zeit an derselben Stelle und haben doch mitunter ganz unterschiedliche Fotos gemacht. Ein anderer Blickwinkel, mal ein Detail, eine lange Belichtungszeit – und schon sieht das Foto ganz anders aus.

FAZIT

Eine Fotoreise oder Fototour lohnt sich eigentlich immer, wenn du im Vorfeld ein paar Punkte beachtest.
  • Achte bei der Auswahl darauf, dass der Anbieter zu dir und deinen fotografischen Vorkenntnissen passt. Nimm nicht gleich den erstbesten Anbieter, sondern recherchiere in Ruhe. Das lohnt sich auch in Bezug auf die Preise, denn dort gibt es doch sehr große Unterschiede.
  • Achte auf die Qualifikation des Dozenten – wie sehen seine eigenen Bilder aus? Passt der Stil zu deinem? Gefallen dir die Bilder? Wie hat er selbst das Fotografieren gelernt?
  • Achte auf eine kleine Gruppengröße, so ist die Betreuung am besten und du lernst am meisten. Außerdem ist es viel einfacher zu anderen Teilnehmern Kontakt zu bekommen, in großen Gruppen geht der Einzelne häufig unter.
  • Fang klein an und prüfe, was zu dir passt – es muss ja nicht gleich die teure zweiwöchige Fotoreise nach Bali sein.
  • Habe keine Angst zu fragen! Wenn du eine Erklärung nicht verstehst oder nicht weißt, wie du die Blende an der Kamera einstellst, frag nach! Dafür sind die Workshopleiter da und nur so kommst du wirklich weiter.
  • Achte darauf, gut genug ausgestattet zu sein (Akku, Speicherkarte, Reinigungsset, Stativ). Ich hatte bei meinem ersten Kurs nur einen Akku mit und habe den ganzen Tag gebangt… Statt mich auf das Motiv zu konzentrieren, musste ich mich darauf konzentrieren, Strom zu sparen. Nicht schön.
  • Achte auch auf die Rücktrittsbedingungen und die AGBs – damit du später keine böse Überraschung erleben musst. Bei einigen Anbietern sind bereits zum Anmeldezeitpunkt die Beträge fällig und ein Reiserücktritt ist ebenfalls nur unter Umständen möglich. Häufig bekommst du nur einen Teil des bereits gezahlten Geldes zurück.
Wie du siehst, habe ich schon viele gute Erfahrungen mit Fotokursen gemacht. Schade finde ich allerdings, dass es nur selten Kursunterlagen gibt. Also musst du mitschreiben, wenn du dir nicht alles merken möchtest. Ich habe einmal nachgefragt, warum keine Unterlagen ausgegeben werden und habe als Antwort bekommen, dass die leider zu häufig von anderen kopiert und weiter verwendet werden. Das ist zwar ärgerlich, aber für den Lernerfolg wäre es trotzdem wichtig, ein paar Unterlagen zu bekommen.
Und nun wünsche ich dir viel Spaß bei deiner ersten / nächsten Fotoreise!
Nicky