Die digitalen Kameras bieten so viele Funktionen, Knöpfe und Einstellungen – da fühlen sich  Anfänger häufig einfach überwältigt. „Wie soll man das alles verstehen? Lohnt es sich überhaupt, sich mit all den Möglichkeiten zu beschäftigen oder bleibe ich einfach bei den Automatik-Programmen, die Kamera-Hersteller werden ja schon wissen, was sie da machen!“ – so oder so ähnlich denken viele Anfänger. Ich war vor ein paar Jahren in genau dieser Situation und daher weiß ich – es lohnt sich!

Schon lange bevor ich selbst Fotografie als mein Hobby entdeckt habe, habe ich mir  gern schöne Fotos angesehen. Makrofotos, Landschaftsaufnahmen, Food-Fotos – solche schönen Bilder wollte ich auch machen! Gesagt, getan, eine Spiegelreflexkamera musste her. Mit der Fotografie hatte ich mich noch nie beschäftigt, aber so eine teure Kamera würde es schon richten, da war ich mir sicher. Ich dachte wirklich, dass eine gute technische Ausstattung quasi automatisch gute Bilder macht. Ich weiß noch sehr genau, wie enttäuscht ich nach meinen ersten Versuchen war. Ich hatte viel Respekt vor den ganzen Funktionen der Kamera und ehrlich gesagt hatte ich überhaupt keine Lust, mich mit dem Handbuch zu beschäftigen.

 

Aber ich wollte ja tolle Bilder machen – da blieb mir wohl nichts, als mich doch mit den technischen Details zu beschäftigen. Denn die im Automatik-Modus geschossenen Schnappschnüsse genügten eigentlich von Anfang an meinen Ansprüchen nicht. In diesem Artikel möchte ich dir deinen Einstieg in die digitale Fotografie erleichtern und dir ein paar deiner – durchaus verständlichen – Ängste nehmen. In diesem Artikel lernst du:

 

  • Welche Automatik-Funktionen deine Kamera bietet
  • Welche drei Faktoren im wesentlichen die Belichtung eines Fotos beeinflussen.
  • Was diese Automatik-Funktionen können
  • Wann du welchen Modus wählen solltest
  • Warum es sich lohnt, auf die halbautomatischen bzw. automatischen Funktionen umzusteigen.

DIE AUTOMATIKFUNKTIONEN DIGITALER KAMERAS

Die meisten Kameras bieten gleich mehrere Automatik-Funktionen
  • Automatische Belichtungseinstellung (Programmautomatik, Blendenautomatik, Belichtungszeitautomatik)
  • Automatische Einstellung des ISO-Wertes
  • Automatischer Weißabgleich
  • Auto-Fokus
  • Automatische Rauschreduzierung
  • usw.
In diesem Artikel betrachte ich nur den ersten Punkt – die automatische Belichtungseinstellung. Das ist aber auch der zentrale Punkt beim Fotografieren – wenn du den verstanden hast, wird alles andere einfacher, versprochen! Natürlich sind die anderen Themen auch interessant, dazu werde ich mit Sicherheit in Zukunft auch Blog-Artikel verfassen.

Welche Faktoren beeinflussen die Belichtung? 

Die drei wichtigsten Faktoren sind die Blende, die Belichtungszeit und der ISO-Wert.

Die Blende ist das Loch im Objektiv, durch das Licht ins Kamera-Innere fällt. Je größer das Loch ist, desto mehr Licht fällt auf den Sensor. Die Größe kann an der Kamera eingestellt werden. Die Blende hat außerdem großen Einfluss auf die Schärfentiefe, d.h. darauf, wie viel im Bild scharf dargestellt wird, und wie viel unscharf.

Die Belichtungszeit bestimmt, wie lange der Verschluss vor dem Sensor geöffnet wird, wie lange also Licht auf den Sensor fällt. Auch hier gilt – je länger der Verschluss geöffnet ist, desto mehr Licht fällt auf den Sensor. Wenn die Belichtungszeit sehr kurz ist, werden Bewegungen eingefroren, ist sie lang, kann es bei bewegten Motiven zu Bewegungsunschärfe kommen.

Kurz gesagt bestimmt der ISO-Wert, wie empfindlich der Sensor ist. Wird ein höherer ISO-Wert eingestellt, ist der Sensor weniger empfindlich und es wird nicht so viel Licht für eine korrekte Belichtung benötigt. Allerdings hat ein hoher ISO-Wert auch einen großen Nachteil: das Bild fängt an zu rauschen, es sind farbige kleine Pixel zu sehen. Die Qualität der Aufnahme leidet also.

Alle drei Faktoren sehe ich mir in anderen Artikel im Detail an. Wenn ihr euch dafür interessiert, klickt einfach auf das Icon zum jeweiligen Thema oder holt euch mein kostenloses Ebook „Grundlagen der Fotografie“:

WELCHE AUTOMATIK-EINSTELLUNGEN GIBT ES AN DEN MEISTEN KAMERAS FÜR DIE BELICHTUNG?

Automatik: die Kamera wählt alle Einstellungen selbst. Sie analysiert die Lichtsituation und wählt anschließend die Einstellung für Blende, Belichtungszeit und ISO-Wert so, dass eine gute Belichtung möglich ist. Dabei achtet die Kamera darauf, dass die Belichtungszeit nicht zu lang wird, das würde schnell zu Verwackelungen und Bewegungsunschärfe führen. Sie stellt die Blende so ein, dass das Bild möglichst scharf wird. Und natürlich wird der ISO-Wert nicht zu hoch gewählt, da sonst die Gesamtqualität des Bildes leidet.

Motivprogramme: Automatik mit Vorwahl von Makro, Landschaft, Sport, Nacht usw. Die Kamera wählt immer noch alle Einstellungen selbst, beachtet dabei aber die Motivvorgabe: Bei Landschaftsaufnahmen wählt sie die Blende so, dass das gesamte Foto scharf dargestellt wird, bei Porträt hingegen so, dass der Hintergrund unscharf dargestellt wird. Der Fotograf gibt mit der Auswahl des Typs also bereits eine gewisse Voreinstellung vor.

Halbautomatik (Av/A, Tv/S): Du stellst die Blende ein (AV/A) oder die Belichtungszeit (TV/S). Wählst du die Blende vor, kannst du die Schärfentiefe beeinflussen. Wählst du die Belichtungszeit, kannst du Bewegungsunschärfe vermeiden oder aber provozieren. Die Kamera wählt bei AV die Belichtungszeit oder bei Tv die Blende hinzu und berücksichtigt dabei die Lichtverhältnisse. Den ISO-Wert kannst du zusätzlich selbst einstellen oder im Automatik-Modus lassen.

Manuell: Blende und Belichtungszeit liegen in deiner Hand – du kannst die Einstellungen passend zu deiner Motividee wählen. Den ISO-Wert kannst du weiterhin auf Automatik stehen lassen oder auch noch selbst dazu wählen. Mir macht das viel mehr Spaß als der Automatik-Modus – du musst aber auch die Zusammenhänge gut genug kennen, um die Auswirkungen deiner Einstellungen einschätzen zu können und so dein Motiv gekonnt in Szene zu setzen.

WANN WÄHLE ICH WELCHEN MODUS?

Der Automatikmodus eignet sich als Einstieg gerade für Anfänger, die noch keinerlei Erfahrungen haben. In diesem Modus werden häufig durchaus akzeptable Ergebnisse erreicht – du kannst allerdings nicht selbst bestimmen, ob du eine große Schärfentiefe haben möchtest oder nicht. Wenn sich ein Fotomotiv bietet und die Erfahrung für die manuelle Einstellung fehlt, kann der Automatikmodus jedoch eine Alternative sein. Vielleicht gelingt das Bild ja, dann ist es immer noch besser, als überhaupt kein Foto zu haben.

Bei dem folgenden Foto spielt die Belichtungszeit keine große Rolle – das Motiv bewegt sich nicht. Sie muss nur klein genug sein, um aus der Hand zu fotografieren. Auch die Blende ist nicht wichtig, alle Motivbestandteile befinden sich in derselben Entfernung zum Objektiv und sind daher in einer Schärfeebene. Dieses Motiv lässt sich sehr sicher im Automatik-Modus fotografieren. Auch für Schnappschüsse ist der Automatik-Modus mitunter gut geeignet.

Mit den Kreativprogrammen kannst du etwas mehr Einfluss nehmen. Immerhin kannst du z.B. einen gewissen Blendenbereich vorgeben, in dem du „Portrait“ oder „Landschaft“ wählt. Bei der Portraiteinstellung öffnet die Kamera die Blende weit, bei Landschaftsaufnahmen schließt die Kamera die Blende. Im ersten Fall entsteht ein unscharfer, verschwommener Hintergrund, im zweiten wird das gesamte Bild scharf. Wenn noch kein Wissen über die Zusammenhänge vorhanden ist, ermöglichen die Kreativprogramme eine gewisse Voreinstellung und können für Einsteiger durchaus hilfreich sein. Bei diesen Kreativprogrammen wählt die Kamera eben nicht mehr völlig frei aus den Blendenwerten und den Belichtungszeiten aus, sondern beschränkt sich je nach Motivwunsch jeweils auf den passenden Bereich. Allerdings kannst du immer noch nicht den exakten Wert selbst einstellen.
Bei den halbautomatischen Programme Av/A bzw. Tv/S kannst du den Wert für den Blende (Av/A) bzw. für die Belichtungszeit (Tv/S) genau einstellen. So kannst du genau festlegen, wie groß der Schärfentiefe-Bereich sein soll oder wie kurz die Belichtung sein soll, um z.B. Bewegungen einzufrieren oder zu verwischen. Anschließend analysiert die Kamera die Lichtsituation und mischt die jeweils andere Einstellung hinzu.
Diese halbautomatischen Programme können sehr gut funktionieren! Wenn du ein Motiv fotografieren möchtest, was sich nicht bewegt und du verwendest ein Stativ, ist die Belichtungszeit nicht wichtig. Du stellst also im Modus Av/A die Blende so ein, wie es die Schärfentiefe verlangt. Dann mischt die Kamera die Belichtungszeit dazu – fertig!
Es gibt aber allerdings auch Situationen, da möchtest du beides kontrollieren. Und für diese Fälle musst du den manuellen Modus verwenden! Das kommt besonders häufig vor, wenn starke Helligkeitsunterschiede im Bild vorhanden sind. Dann musst du dich entscheiden – möchtest du die dunklen Teile korrekt belichten oder möchtest du die hellen Teile korrekt belichten? Ein Automatikprogramm kann dir die Entscheidung zwar abnehmen – aber dann sieht das Foto vielleicht nicht so aus, wie du es gern hättest.
Für dieses Bild habe ich eine mittlere Blende gewählt und habe im Bulb-Modus ausgelöst. Dann habe ich gewartet, bis der erste Blitz am Himmel erschein – das hat 64 Sekunden gedauert. Danach habe ich die Aufnahme beendet – fertig!

Ich möchte dich ausdrücklich dazu ermutigen, den manuellen Modus auszuprobieren. Vielleicht hast du Angst, dass du ein gutes Motiv im manuellen Modus nicht so gut einfangen kannst wie im Automatik-Modus. Dann fotografiere – zumindest bei Motiven, die es ermöglichen – erst im Automatik-Modus und versuche dann, die Aufnahme auch im manuellen Modus zu machen. Von mal zu mal wirst du besser werden – Übung macht den Meister! Und wenn du dich weiter mit Blende, Belichtungszeit und ISO-Wert beschäftigen möchtest, damit deine Bilder besser werden, lege ich dir nochmals mein Ebook „Grundlagen der Fotografie“ ans Herz. Es ist kostenlos und eröffnet dir die Möglichkeit, deine Fotos selbst zu gestalten!

Die Belichtungszeit

Die Belichtungszeit bestimmt, wie lange der Verschluss der Kamera geöffnet ist. Sie hat damit Einfluss auf die Helligkeit des Bildes, aber auch auf die Darstellungsart von bewegten Motiven – scharf oder verwischt.

Die Blende

Die Blende ist die Öffnung im Objektiv, durch die das Licht in die Kamera fällt. Die Größe dieser Öffnung kannst du verstellen und hast somit direkten Einfluss darauf, wieviel Licht du in die Kamera eintreten lässt und somit auf die Helligkeit und die Gestaltung des Bildes.

Der ISO-Wert

Der ISO-Wert bestimmt, welche Lichtmenge für eine korrekte Belichtung erforderlich ist.