Ganz egal ob Du über Dein Foto nur einen Text legen möchtest oder aber das Beste aus Deine Bildern herausholen willst – als Fotograf kommst Du an dem Thema Bildbearbeitung nicht vorbei.
Manchmal hast Du ein tolles Foto gemacht, aber irgendeine Kleinigkeit hat nicht ganz geklappt:
  • Es ist vielleicht etwas zu dunkel geworden.
  • Der Horizont ist schief.
  • Du hast im Hintergrund irgendein störendes Detail.
  • Dein Foto-Model hat eine Hautunreinheit, die Du wegretuschieren möchtest.
  • Du möchtest das Foto für Deinen Social-Media-Kanal aufbereiten, einen Text darüberlegen, einen coolen Effekt anwenden – oder, oder, oder.
Kurz: es gibt tausend Gründe, warum die Bearbeitung Deines Fotos sinnvoll sein kann. Bildbearbeitung ist also ein Thema, das viele Fotografen interessiert. Daher möchte ich in diesem und meinem nächsten Artikel etwas hinter die Kulissen der Bildbearbeitung schauen.

WELCHES TOOL IST DAS BESTE?

Bildbearbeitung spielt also bei fast jedem Hobby-Fotografen irgendwann eine Rolle. Das ist auch der Grund dafür, dass man in diversen Foren immer wieder auf diese Fragen stößt:

  • Welches Tool verwendet ihr zum Bearbeiten eurer Fotos?
  • Welches Programm nehmt ihr, um Eure Bilder zu bearbeiten? Am besten anfängertauglich und kostenlos.

Natürlich gibt es keine eindeutige Antwort auf diese Frage, denn wie immer hängt die Antwort sehr stark von Deinen persönlichen Anforderungen ab und davon, ob Du Dich in eine komplexes Programm einarbeiten möchtest.

Deshalb solltest Du Dir die folgenden Fragen stellen, bevor Du Dich für ein Programm entscheidest:

Fotografierst du im RAW-Format oder JPG-Format?

Wenn du im Raw-Format fotografierst, musst Du ein etwas komplexeres Programm verwenden wie z.B. Photoshop, Lightroom, Affinity Photo, Photoscape oder den Raw-Konverter, der bei Deiner Kamera mitgeliefert wurde. Du kennst den Unterschied zwischen RAW und JPG nicht? In meinem Artikel “RAW oder JPG – was ist besser” habe ich eine Einführung für dich geschrieben. Bei vielen Web-Applikationen werden nur JPG-Dateien funktionieren.

Möchtest Du ein eigenständiges Programm oder reicht dir eine Web-Applikation, in die Du einzelne Fotos hochlädst?

Jedes einzelne Foto in eine Web-Applikation hochzuladen kann nervig werden. Außerdem weiß Du nicht immer, was mit Deinen Daten passiert. Daher bevorzuge ich Applikationen, die auf meinem Rechner laufen. Wenn Du aber nur hin und wieder mal ein Foto bearbeiten möchtest kann eine Web-Applikation wie sumopaint.com oder fotor.com eine Lösung sein.

Bist Du bereit Geld für das Programm zu zahlen oder muss es kostenlos sein?

Es gibt sehr gute kostenlose Programme wie Photoscape X (begrenzter Funktionsumfang) oder GIMP (Open Source). Lightroom und Photoshop gibt es im Abo für Fotografen für etwa 12 Euro pro Monat, Affinity Photo kostet einmalig etwa 55 Euro. Auch Luminar 4 könnte eine Alternative sein, das kostet einmalig etwa 90 Euro. Du findest also sowohl kostenlose als auch kostenpflichtige Programme, um Deine Fotos zu bearbeiten. (Stand: Dezember 2019)

Möchtest Du Effekte und Filter anwenden, um Deine Fotos in den Social-Media-Kanälen zu veröffentlichen?

Diese “Spielereien” (so nenne ich es jetzt einfach mal ;-)) findest Du eher in den Web-Applikationen oder einfacheren Tools. In den Profi-Programmen (Lightroom, Photoshop, Affinity Photo, …) kannst Du die Effekte sicherlich selbst erzeugen, es liegt aber vom Hersteller kein Fokus drauf.

Möchtest Du Texte oder Rahmen hinzufügen?

Das sollte in allen Programmen gehen, du solltest aber darauf achten, dass Du aus ein paar Schriftarten wählen kannst, um für Dein Foto die passende Schriftart zu finden. Wenn Du nur Texte, Ornamente oder ähnliches hinzufügen möchtest, ist ein Programm wie Photoshop sicherlich viel zu mächtig. Dafür bietet sich eher ein Online-Tool wie canva.com oder eine kostenlose Applikation wie Photoscape X an.

Möchtest Du Deine Fotos nur mit wenigen Klicks bearbeiten?

Dann sind Profi-Programme wie Lightroom, Photoshop, Affinity Photo oder auch das kostenlose GIMP sicherlich nichts für Dich. Dann solltest Du Dich lieber bei den Web-Applikationen oder Programmen mit einem geringeren Funktionsumfang umschauen.

Möchtest Du komplexe Bearbeitungen vornehmen oder nur kleinere Korrekturen machen?

Wenn Du komplexe Arbeiten machen möchtest, musst Du auf Profi-Programme wie Photoshop, GIMP oder Affinity Photo gehen. Damit lassen sich auch Foto-Composings erstellen, bei denen Du Du mehrere Fotos ein einem einzigen Foto kombinierst. Möchtest Du nur kleinere Korrekturen machen, dann lohnt sich die längere Einarbeitung in Profi-Programme nicht.

Anbei ein kleines Beispiel: Ich habe vor einiger Zeit an einem Composing-Kurs im Phantasialand mit Pavel Kaplun teilgenommen. Aus den dort gemachten Fotos habe ich dann ein Gesamt-Bild “gebastelt”. Ich gebe zu, es ist nicht perfekt. Aber für mein allererstes Composing bin ich trotzdem zufrieden :-).

Möchtest Du das Maximale aus dem Foto herausholen?

Dann empfehle ich Dir unbedingt im RAW-Format zu fotografieren und mit Profi-Programmen zu arbeiten. Dann lohnt sich die Einarbeitung in die Programme auf jeden Fall!

Bist Du bereit, Dich in ein komplexes Programm einzuarbeiten?

Das ist natürlich die Grundvoraussetzung, wenn Du mit Profi-Programmen wie Photoshop, GIMP, Affinity oder Luminar arbeiten möchtest. Wenn Du dazu nicht bereit bist oder daran keinen Spaß hast, dann bleibe lieber bei den einfacheren Tools. Damit kannst Du auch schon viel erreichen.

Möchtest Du Bilder freistellen können?

Grundsätzlich geht das mit fast jedem Programm, allerdings unterscheiden sich Aufwand und Qualität. Die Programme werden immer besser und einfacher aber in Photoshop kann man schon etwas Zeit für das Freistellen investieren, insbesondere wenn man es sehr genau machen möchte. Aber Photoshop kann auch genau das – qualitativ hochwertige Freistellungen.

Es gibt aber auch spezielle Tools, wie z.B. removebg.com. Dort lädst Du Dein Foto einfach hoch und wie von Zauberhand kannst Du den Hintergrund ausschneiden. Hilfreich sind dafür natürlich entsprechend vorbereitete Fotos, bei denen sich das Motiv sehr gut vom Hintergrund abhebt. Aber grundsätzlich geht das superschnell und Du hast auch ein paar Möglichkeiten, das Freistellen zu beeinflussen. Wenn Du den Hintergrund in einem Profi-Programm entfernen möchtest geht das natürlich auch, Du bist aber wahrscheinlich etwas länger damit beschäftigt als mit einem spezialisierten Tool.

Bei dem folgenden Beispiel habe ich auf der Webseite removebg.com den Hintergrund mit wenigen Klicks entfernt. Allerdings sieht man speziell in meinen Haaren, dass die Qualität der Entfernung nicht optimal ist.

ZUSAMMENFASSUNG

Im Folgenden fasse ich noch einmal alle von mir genannten Programme in einer Tabelle zusammen. Mir ist durchaus bewusst, dass es noch eine Vielzahl weiterer Alternativen für die Bildbearbeitung gibt – ich kann Dir hier nur eine kleine Auswahl vorstellen.

Grundsätzlich gibt es bei fast allen kostenlosen Versionen auch noch eine kostenpflichtige Version, die noch mehr Funktionen bietet.

Ich wünsche Dir jetzt viel Spaß bei den ersten Schritten Deiner Bildbearbeitung!

Nicky

PS: Im nächsten Artikel werde ich Dir das kostenlose Programm “Photoscape X” vorstellen.

ProgrammWebseitePreisBesonderes
Canvahttps://canva.comkostenlosCollagen, Texte, Rahmen, vorgefertigte Layouts. Einige Layouts oder Fotos sind kostenpflichtig.
Remove Backgroundhttps://www.remove.bg/dekostenlosAbo erforderlich, wenn sehr viele Fotos bearbeitet werden sollen oder eine große Auflösung erforderlich ist.
Fotorhttps://www.fotor.com/de/kostenlosFotos bearbeiten, Collagen erstellen, Designs erstellen. Pro-Version als Abo verfügbar
Sumopainthttps://www.sumopaint.com/kostenlosOnline oder als eigenständiges Programm, Pro-Version verfügbar
Photoscape Xhttp://x.photoscape.org/kostenlosEigenständige App, Pro-Version verfügbar (39,99 Euro)
GIMPhttps://gimp.orgkostenlossehr umfangreiches Programm
Adobe Lightroom und Photoshophttps://www.adobe.com/de/creativecloud/photography.htmlim Abofür etwa 12 Euro monatlich, sehr umfangreich
Affinity Photohttps://affinity.serif.com/de/photo/einmalig etwa 55 Eurosehr umfangreich
Luminarhttps://skylum.com/de/luminareinmalig 89 Eurolaut Werbung besonders einfach zu bedienen, bedient sich der KI-Technologie