Bei der Makrofotografie spielen die kleinen Details die Hauptrolle. Die detailgetreue Darstellung führt den Betrachter dabei in eine andere Welt, eine Welt, die dem “normalen” Auge verborgen bleibt. Denn so nah dran geht man mit dem Augen eigentlich nicht.

In diesem Artikel erkläre ich, worauf Du achten solltest, wenn Du in die Makrofotografie einsteigst. Wir beschäftigen uns mit den folgenden Themen:

  • Was genau ist Makrofotografie?
  • Welche Ausrüstung benötige ich dafür?
  • Welche Einstellungen sollte ich wählen?

WAS GENAU IST “MAKROFOTOGRAFIE”

In der Makrofotografie wird ein Objekt so vor der Kamera positioniert, dass es auf der Aufnahme sehr groß und detailliert wiedergegeben wird. Im engeren Sinne spricht man von Makrofotografie, wenn das Bild des Objekts auf dem Kamerasensor genauso groß erscheint wie das Objekt selbst; der Abbildungsmaßstab ist dann exakt 1, auch als 1:1 dargestellt.

So lautet die Definition bei Wikipedia, die wir uns hier noch einmal genauer ansehen. Der erste Satz ist denke ich eindeutig, bei Makroaufnahmen gehst Du mit dem Objektiv sehr nah an Dein Motiv heran und das Motiv wird auf dem Foto sehr groß dargestellt. 

Aber was genau hat es mit dem Abbildungsmaßstab auf sich? Damit ist gemeint, dass 1 cm Deines Motivs, zum Beispiel des Weidenkätzchens auf dem Artikelbild, auch wirklich 1 cm Platz auf dem Sensor Deiner Kamera einnimmt. 

Meine Kamera hat eine Sensorgröße von 35,8 mm x 23,9 mm. Wenn ich eine echte Makro-Aufnahme mache, habe ich also höchstens 35,8 mm x 23,9 mm der Realität auf meinem Sensor gebannt. Das ist wirklich nur ein sehr kleiner Ausschnitt der Wirklichkeit!

 

Ich habe Dir ein Beispiel mitgebracht: Das Foto von der Hagebutte ist nicht beschnitten, es war also nicht mehr auf dem Foto zu sehen, als Du hier siehst. Hierbei handelt es sich um eine echte Makroaufnahme, die ich mit meinem Makro-Objektiv Canon EF 100 mm gemacht habe.

Du fragst Dich sicherlich, warum ich immer so betone, dass es sich nur um eine “echte” Makro-Aufnahme handelt, wenn der Abbildungsmaßstab 1:1 ist. Das führt mich zur folgenden Frage:

 

Sind alle Nahaufnahmen Makro-Fotos?

Du kannst es Dir schon denken – die Antwort lautet “Nein”. Bei sehr vielen Nahaufnahmen gehst Du eben nicht so nah dran, dass das Motiv wirklich 1:1 auf dem Sensor abgebildet wird. Manchmal möchtest Du einfach mehr auf Deinem Foto haben, manchmal hast Du ein Objektiv, was auf diese kurze Distanz nicht scharfstellen kannt.

Aber das Wort “Makrofotografie” wird einfach häufig synonym zu dem Wort “Nahaufnahme” verwendet. Und auch auf einigen Objektiven findest Du den Aufdruck “Makro”, obwohl es nicht in der Lage ist ein wirkliches Makro-Foto aufzunehmen.

Und ist das schlimm?

Nein, natürlich überhaupt nicht. Ich wollte Dir nur kurz den Unterschied erklären, weil mir das nicht bewusst war, als ich angefangen habe zu fotografieren. Ich persönlich mag nicht nur Makro-Fotos, ich mag auch die Nahaufnahmen sehr gern und daher habe ich Dir auch hierfür ein Beispiel mitgebracht: 

Die Hagebutten habe ich ebenfalls mit meinem Makro-Objektiv aufgenommen, ich war aber nicht ganz so nah an das Motiv herangegangen. Es handelt sich also nicht um eine Makro-Aufnahme – ich mag sie trotzdem 🙂

WELCHE Ausrüstung benötigst du für Makroaufnahmen?

Das Objektiv

Ich habe Dir eben schon angedeutet, dass nicht jedes Objektiv auf die kurze Entfernung scharfstellen kann, die für eine Makroaufnahme erforderlich ist. Man spricht dabei von einer “Naheinstellgrenze” des Objektivs. Mein Makro-Objektiv hat eine Brennweite von 100 mm und eine Naheinstellgrenze von 30 cm, die zwischen Motiv und Sensor sein dürfen. Wenn ich näher an das Motiv herangehe, schafft es das Objektiv nicht mehr scharf zu stellen. Andere Objektive haben eine größere Naheinstellgrenze und ermöglichen keinen 1:1 Abbildungsmaßstab.

Ich selbst fotografiere mit dem Canon EF 100 mm f/2.8 Macro-Objektiv und bin damit sehr zufrieden. Es gibt auch Makro-Objektive mit kürzen Brennweiten, aber dann musst Du noch näher an Dein Motiv herangehen können, das heißt die Naheinstellgrenze ist noch geringer. Das gestaltet sich insbesondere bei Insekten schwierig, daher habe ich die 100 mm-Variante gewählt.

Natürlich haben auch die anderen Hersteller Makro-Objektive im Angebot, informier Dich einfach im Netz!

Das Stativ

Bei Makro-Aufnahmen ist ein Stativ meiner Ansicht nach Pflicht. Wenn Du so nah am Motiv bist und den Fokus mit Liebe gesetzt hast bewirkt jede winzige Bewegung, dass der Fokus verrutscht und eben doch nicht mehr dort sitzt, wo Du ihn gern hättest. Insbesondere bei offenen Blenden ist der Schärfebereich nur sehr, sehr schmal, daher ist eine fixe Position der Kamera unbedingt erforderlich.

Sonstiges Zubehör

Wenn Du bei Sonnenschein draußen fotografierst kann auch ein Reflektor bzw. ein Diffusor sehr hilfreich sein. Mit dem Diffusor erzeugst du ein weicheres Licht und mit dem Reflektor kannst du zusätzliche Lichtreflexe erzeugen.

Wenn es ein wenig windig ist, können Pflanzenklammern ein hilfreiches Mittel sein, um die Pflanzen in einer festen Position zu halten. 

Es gibt noch sehr viel weiteres Zubehör, wie zum Beispiel Nahlinsen, Zwischenringe oder ähnliches. Für den Anfang würde ich Dir hier aber empfehlen erst einmal so zu starten.

 

WELCHE EINSTELLUNGEN SIND GEEIGNET?

Die optimalen Einstellungen für Dein Makrofoto hängen natürlich von Deine Vorlieben ab. Ich persönlich arbeite gern im Modus AV, da ich so selbst entscheide, wie groß die Tiefenschärfe in meinem Foto sein soll. Die Kamera erledigt dann den Rest, d.h. stellt die Belichtungszeit und den ISO-Wert ein, darüber muss ich mir in dem Moment keine Gedanken machen.

Dieses Vorgehen funktioniert besonders gut, wenn gute Lichtverhältnisse herrschen, wenn es also hell genug ist. Bei etwas schlechteren Lichtverhältnissen musst du aber aufpassen, dass der ISO-Wert nicht zu hoch geht, denn dann könnten Deine Fotos verrauschen.

Bei schwierigen Verhältnissen fotografiere ich häufig auch im manuellen Modus, denn so habe ich die volle Kontrolle. Das erfordert aber auch mehr Überlegungen im Vorfeld. Ich versuche eigentlich immer zunächst über Blende und Belichtungszeit eine ausreichende Belichtungssituation zu erreichen und erst wenn das Foto immer noch zu dunkel wäre, erhöhe ich den ISO-Wert. 

Die Blendeneinstellung

Die Blende nimmt eine besondere Rolle in der Makrofotografie ein, denn sie bestimmt, wieviel Bildanteile scharf dargestellt werden. Das Besondere bei der Makrofotografie ist der geringe Abstand zum Motiv. Dadurch ist die Schärfentiefe-Ebene sehr, sehr schmal und es ist bei weit geöffneter Blende nur eine sehr kleiner Anteil des Fotos scharf.

Du musst Dich also fragen:

  • Möchte ich mein Motiv insgesamt scharf darstellen? Dann wählst du eine geschlossene Blende (hohe F-Zahl).
  • Möchte ich mit der Unschärfe spielen und nur einen sehr kleinen Bereich meines Motivs scharf darstellen? Dann wählst Du eine offene Blende (kleine F-Zahl).

Da die Schärfe-Ebene bei den geringen Abständen wirklich sehr klein ist arbeite ich in der Regel nicht mit einer ganz geöffneten Blende. Wenn Du Dir unsicher bist, teste es einfach aus, mache verschiedene Aufnahmen mit unterschiedlichen Werten und wähle anschließend aus, was Dir am besten gefällt.

Tipp: Das Thema “Schärfentiefe” erkläre ich übrigens noch ausführlicher in meinem kostenlosen E-Book “Automatisch besser fotografieren” im Kapitel zur Portrait-Fotografie. 

Ich habe Dir hier mal eine Serie meines Hagebutten-Fotos mit unterschiedlichen Blendenwerten mitgebracht, um Dir den Unterschied etwas zu zeigen. 

Dieses Foto wurde mit einer Blendeneinstellung von f/2.8 aufgenommen. Der Hintergrund ist stark verschwommen und auch von der Hagebutte, die am schärfsten dargestellt ist, ist nur ein kleiner Teil wirklich scharf. 

Dieses Foto wurde mit einer Blendeneinstellung von f/4.5 aufgenommen. Der Hintergrund ist immer noch verschwommen, aber nicht mehr ganz so stark wie in dem Foto mit f/2.8. Die eine Hagebutte ist jetzt schon etwas schärfer dargestellt.

Dieses Foto wurde mit einer Blendeneinstellung von f/8 aufgenommen. Der Hintergrund zeichnet sich jetzt schon deutlich schärfer ab. Die Hagebutten-Gruppe ist jetzt ebenfalls schärfer dargestellt. 

Fokus-Einstellung

Bei Makrofotos  ist der richtige Fokus sehr wichtig. Du möchtest in der Regel selbst bestimmen, wo der Fokuspunkt bei deinem Motiv sitzt. Wenn Du mit automatischem Fokus fotografierst, kannst Du das nicht. Die Kamera wird den Fokus selbst setzen, und zwar in der Regel an die Stelle, die am nächsten zur Kamera ist.

Daher arbeite ich immer mit dem manuellen Fokus und dem Live-View meiner Kamera. Dort zoome ich in die Vorschau des Bildes hinein und setze den Fokus durch Drehen an dem Entfernungsring sehr bewusst genau an die Stelle, an der ich den Fokus haben möchte.

Auch nach der Aufnahme kontrolliere ich noch einmal auf dem Display, ob der Fokus wirklich dort sitzt, wo ich ihn haben möchte. Dazu zoome ich wieder in das Bild hinein. So kann ich sofort prüfen, ob das Foto gelungen ist. Ist das nicht der Fall, versuche ich es einfach noch einmal. 

Wenn Du manchmal noch etwas verwirrt bist, wenn es um Blende, Belichtungszeit und ISO-Wert geht, mach Dir keine Sorgen! Rom wurde auch nicht in einem Tag erbaut. Wenn Du dran bleibst und immer wieder Deine und die Fotos anderer analysierst, wird Dir die Theorie schon bald in Fleisch und Blut übergehen. 

Auch Du kannst den nächsten Schritt schaffen! Genau dafür habe ich mein E-Book "Einfach besser fotografieren - mit Beispielen zum Erfolg" geschrieben. Hier erkläre ich Dir anhand einiger meiner Fotos ganz genau, Schritt für Schritt, warum ich welche Einstellungen gewählt habe und welche Hilfsmittel ich verwendet habe. Magst Du auch den nächsten Schritt mit mir gemeinsam gehen? Dann kannst Du mein E-Book für nur 17,77 Euro über meinen Digistore-Shop bestellen.

MEIN FAZIT

Mich fasziniert die Makro-Fotografie, sie ermöglicht einen Einblick in die Details, der mit bloßem Auge nur bedingt möglich ist. 

Allerdings verlangen gute Makrofotos etwas Einsatz, denn einerseits brauchst Du ein gutes Makro-Objektiv und andererseits benötigst Du viel Geduld. Normalerweise braucht man mehrere Versuche, bis der Fokus so sitzt, wie man es gern hätte, bis das Licht mitspielt, es windstill ist usw. Aber gib nicht auf, es lohnt sich!

Übrigens sind die Nahaufnahmen, auf denen wirklich das gesamte Motiv super scharf dargestellt ist, häufig keine Einzelaufnahmen. Es handelt sich dann um eine ganze Reihe von Aufnahmen, bei denen der Fokuspunkt jeweils geringfügig versetzt wurde. Anschließend werden die Fotos am Rechner zusammengesetzt und so entstehen zum Beispiel super scharfe Aufnahmen von Insekten. Man nennt diese Technik auch “Fokus-Stacking” – aber das ist dann wohl ein Thema für einen weiteren Artikel 😉

Als Beispiel habe ich ein Blatt mit Wassertropfen fotografiert. Das Foto ist aus mehr als 15 Fotos zusammengesetzt. Ich wünsche Dir jetzt viel Spaß beim Ausprobieren!

Sei herzlichst gegrüßt

Nicky