Blende und Belichtungszeit haben wir uns jetzt bereits angesehen, nun kommen wir noch zum ISO-Wert. Der ISO-Wert hat Einfluss auf die Lichtmenge, die für eine gute Aufnahme benötigt wird. Erhöhst du den ISO-Wert, wird weniger Licht für die Aufnahme benötigt als bei dem niedrigeren ISO-Wert.

Und woher kommt die Bezeichnung „ISO-Wert“? ISO ist die Abkürzung für „International Organisation for Standardization“. Das ist ein internationales Normungsinstitut, das mit dem DIN vergleichbar ist. In Zeiten der analogen Fotografie gab es verschiedene Filmtypen für die unterschiedlichen Lichtverhältnisse. Hatte der Film einen höheren ISO-Wert, handelte es sich um einen lichtempfindlicheren Film, der allerdings auch „grobkörniger“ war. Die Bezeichnung hat man im digitalen Zeitalter beibehalten.

 

Tipp: Wenn dir die Begriffe Blende und Belichtungszeit noch nicht ganz geläufig sind, dann lies zunächst meine Artikel „Die Belichtungszeit – einfach erklärt“ und „Die Blende“ aus meiner Grundlagenserie.

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Welche Auswirkungen hat der ISO-Wert beim Fotografieren? Nun, nehmen wir einmal an du fotografierst bei Sonnenschein eine Landschaft. Du möchtest eine große Tiefenschärfe haben und hast daher eine Blende von f/14 eingestellt. Es ist etwas windig und du möchtest die Bewegung der Gräser und Büsche nicht als Bewegungsunschärfe im Bild haben, daher hast du eine Belichtungszeit von 1/250 s eingestellt. Mit einem ISO-Wert von 100 kannst du unter diesen Bedingungen wahrscheinlich ein gutes Foto schießen. Doch jetzt zieht ein Gewitter auf, es wird dunkler und windiger. Du müsstest die Belichtungszeit noch kürzer einstellen, was aber auch weniger Licht für dein Foto bedeutet. Und da es sowieso schon dunkler geworden ist, wird das Foto so wahrscheinlich unterbelichtet werden. Wenn du jetzt den ISO-Wert erhöhst, z.B. auf 800 – 1600, kannst du bei der Blende von f/14 und der sehr kurzen Belichtungszeit bleiben und erreichst trotzdem ein „korrekt“ belichtetes Foto.

Das hört sich praktisch an – du erhöhst einfach den ISO-Wert und kannst tolle Fotos machen, ganz egal welche Lichtbedingungen herrschen. Zu schön, um wahr zu sein, denn ganz so einfach ist es leider nicht. Hohe ISO-Werte haben den entscheidenden Nachteil, dass besonders in den dunkleren Bildteilen das sogenannte „Rauschen“ zu sehen ist und dadurch die Bildqualität leidet.

In diesem Artikel sehen wir uns an:

  • Was „Rauschen“ ist und wie es sich auf das Bild auswirkt
  • Welche ISO-Werte es gibt
  • Wie man den ISO-Wert einstellt und abliest
  • Welchen ISO-Wert man wann verwendet
  • Wie die ISO-Automatik funktioniert

WAS IST RAUSCHEN?

Was genau ist das „Rauschen“? Bei verrauschten Bildern sind einige Pixel in Farbe und Helligkeit nicht korrekt dargestellt und weichen von der eigentlichen Farbe und Helligkeit ab. Dadurch leidet die Bildqualität erheblich – je höher der ISO-Wert, umso schlechter die Bildqualität. Die farblichen Unterschiede fallen vor allem in den dunklen Teilen des Fotos auf. Das gesamte Bild wirkt dadurch nicht mehr so scharf und kontrastärmer.

Bei niedrige ISO-Werten entsteht kaum Rauschen, deshalb solltest du immer probieren, mit möglichst niedrigem  ISO-Wert zu fotografieren (z.B. 100-200). Manchmal erfordern die Lichtverhältnisse aber einfach einen höheren ISO-Wert, wenn es nämlich so dunkel ist, dass du trotz geöffneter Blende und längerer Belichtungszeit keine gute Belichtung erreichst. Die Belichtungszeit kannst du nicht beliebig erhöhen, weil du dann die Bewegungsunschärfe im Bild hast. In diesen Fällen ist ein wenig Rauschen durch einen hohen ISO-Wert das geringere Übel.

Die Stärke des Rauschens hängt unter anderem auch von der Kamera ab – bei kleinen Kompaktkameras ist das Rauschen schneller sichtbar als bei Profi-Spiegelreflexkameras. Die Bilder in dem folgenden Vergleich sind mit einer Canon EOS 600D gemacht. Ich habe die Blende auf f/4 eingestellt und auch weitestgehend beibehalten. Dann habe ich den ISO-Wert erhöht und die Belichtungszeit entsprechend verkürzt, so dass die eigentliche Belichtung des Fotos gleich blieb.

ISO 200

ISO 200

Bei ISO 200 ist kein Rauschen zu erkennen.

ISO 200 - Ausschnitt

ISO 200 Ausschnitt

ISO 200 in der Ausschnittsvergrößerung

ISO 1600

ISO 1600

Bei ISO 1600 ist der Hintergrund bereits deutlich körniger.

ISO 1600 Ausschnitt

ISO 1600 Ausschnitt

Das ist besonders gut in der Ausschnitts-Vergrößerung zu erkennen.

ISO 6400

ISO 6400

Bei ISO 6400 ist sowohl im Hintergrund als auch in dem Rot der Mohnblume deutliches Rauschen zu erkennen.

ISO 6400 Ausschnitt

ISO 6400 Ausschnitt

In dieser Ausschnittsvergrößerung ist die Körnung gut sichtbar – auch die Kante von der Mohnblume ist nicht mehr scharf dargestellt. Daher wirken Fotos mit hohem ISO-Wert häufig unscharf.

Verschiedene ISO-Werte im Vergleich

Iso-Werte-Vergleich

Im direkten Vergleich ist die Verschlechterung der Bildqualität deutlich zu erkennen.

WELCHE ISO-WERTE GIBT ES?

Die Reihe der ISO-Werte ist so aufgebaut, dass die Werte immer verdoppelt werden. Mit jedem verdoppeltem Wert benötigst du nur noch halb so viel Licht für die Aufnahme. Diese Grund-Reihe ist in der Tabelle dargestellt, viele Kameras bieten mittlerweile aber auch halbe oder Drittel-Zwischenschritte an, z.B. 80, 120 oder 160.

WIE STELLE ICH DEN ISO-WERT EIN?

Eine allgemein gültige Beschreibung zum Einstellen des ISO-Wertes gibt es natürlich nicht – das ist so vielfältig wie das Angebot an Kameras. Hier zeige ich beispielhaft die Einstellung bei zwei Canon-Kameras. Andere Kamera-Modelle werden sich nur geringfügig unterscheiden, meistens gibt es einen Knopf „ISO“, der ein Menü mit möglichen ISO-Werten anzeigt, aus dem dann ausgewählt werden kann.

Achte darauf, dass es meistens nur in den halbautomatischen und manuellen Modus möglich ist, die ISO-Werte selbst einzustellen. Bei den vollautomatischen Programmen wird der ISO-Wert häufig vorgegeben.

Anzeige des ISO-Wertes bei der CANON EOS 600D

EOS 600D

Der ISO-Wert kann hinten auf dem Display abgelesen werden. Zum Einstellen wird der „ISO-Knopf“ gedrückt, der sich direkt neben dem Hauptwahlrad oben auf dem Kameragehäuse befindet. Dann kann über die Pfeiltasten ein Wert ausgesucht und mit SET bestätigt werden.

Anzeige des ISO-Wertes bei der CANON EOS 6D

EOS 6D

Aktuell ist ISO 250 eingestellt. Der Wert kann durch durch Drücken des ISO-Knopfes und anschließendes Drehen des Hauptwahlrades eingestellt werden.

WANN VERWENDE ICH WELCHEN ISO-WERT?

Grundsätzlich gilt: Verwende einen möglichst niedrigen ISO-Wert (z.B. ISO 100), damit die Qualität deiner Fotos sich nicht unnötig verschlechtert. Je dunkler es wird, umso schwieriger ist es allerdings diesen Vorsatz beizubehalten, insbesondere bei bewegten Motiven. Die folgenden Werte sind Richtwerte – je nach Situation, Umgebungsbedingungen und Foto-Motiv können sie aber auch angepasst werden:

  • draußen, an einem hellen Tag: ISO 100 – 200
  • draußen, an einem hellen Tag im Schatten: ISO 200 – 400
  • draußen, an einem bewölkten, regnerischen Tag: ISO 400 – 800
  • draußen, in der Dämmerung bei bewegtem Motiv: ISO 800 – 3200
  • draußen, im Dunkeln mit wenig Lichtquellen, bei bewegtem Motiv: ISO 1600 – 3200
  • drinnen, in einem hellen Raum, ohne Blitz, bei bewegtem Motiv: ISO 800 – 1600
  • drinnen, in einem dunklen Raum, ohne Blitz, bei bewegtem Motiv: ISO 1600 – 6400

Welchen ISO-Wert du dann letzten Endes tatsächlich nimmst, bestimmen die Randbedingungen. Wenn du z.B. bereits kurz vor Sonnenaufgang eine Landschaftsaufnahme machten möchtest, in der du eine Silhouette von einem Berg aufnehmen möchtest, hast du normalerweise wenig Licht zur Verfügung. Meine oben stehende Auflistung würde einen ISO-Wert von 3200 vorschlagen. Dann hättest du aber in den dunklen Bereichen des Bildes ein starkes Rauschen – nicht schön für eine Silhouette! In der Situation würde ich also einen sehr niedrigen ISO-Wert nehmen, die Kamera auf ein Stativ montieren und mit langen Belichtungszeiten arbeiten. Auf die Frage „Welchen ISO-Wert muss ich einstellen?“ kann die richtige Antwort also nur sein  „Das kommt darauf an.“.

Hallenfußball

07_ISO_Hallenfussball-

Beispiel gefällig? Du möchtest in einer Sporthalle das Fußballturnier deines Sohnes fotografieren. Die Lichtverhältnisse sind nicht optimal, es ist etwas zu dunkel. Außerdem bewegen sich die Kinder (hoffentlich :-)), du benötigst also kurze Belichtungszeiten, um die Kinder scharf darzustellen. Die Blende hast du bereits weit geöffnet, aber es ist immer noch zu dunkel. Da bietet sich ein höherer ISO-Wert an. Wie hoch, hängt von der Situation ab, am besten du probierst vor Ort aus, bei welchem ISO-Wert du noch geeignete Belichtungszeiten erreichen kannst – und das natürlich bei einer akzeptablen Rausch-Situation.

Porträt-Foto

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Anderes Beispiel: Du möchtest ein Porträtfoto erstellen, von dem du dir anschließend einen großen Ausdruck als Bild an die Wand hängen möchtest. Hier solltest du eine weit offene Blende wählen, damit der Hintergrund verwischt dargestellt wird. Gerade so weit geschlossen, dass du die wesentlichen Teile des Gesichts scharf dargestellt hast, vor allem die Augen sollten scharf sein. Dein Fotomotiv sollte sich nicht zu schnell bewegen, so dass du nicht so viel Wert auf sehr kurze Belichtungszeiten legen musst. Aber beim ISO-Wert solltest du aufpassen – bei großen Ausdrucken fällt das Rauschen sehr stark auf, so dass niedrige ISO-Werte empfehlenswert sind.

Nachtfotografie

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Und ein letztes Beispiel: Nachtaufnahmen. Da bei Nachtaufnahmen viele dunkle Stellen im Bild auftauchen, sollte hier mit einer kleinen ISO-Zahl fotografiert werden, da das Rauschen in den dunklen Bereichen besonders auffällt. Bewegungen kann man allerdings nicht mehr einfrieren, da lange Belichtungszeiten benötigt werden, insbesondere wenn die Blende nicht ganz geöffnet ist.

DIE ISO-AUTOMATIK – FLUCH ODER SEGEN?

Beim Einstellen des ISO-Wertes wird auch der Wert „AUTO“ angeboten. Ist dieser gewählt, sucht die Kamera passend zu der gewählten Blende und der Belichtungszeit einen geeigneten ISO-Wert aus, um eine korrekte Belichtung zu erreichen. Das kann hilfreich sein und Zeit sparen – du musst dich nur noch um Blende und Belichtungszeit kümmern. Allerdings passiert es dann auch manchmal, dass ein sehr hoher ISO-Wert automatisch eingestellt wird, der natürlich ein höheres Rauschen mit sich bringt. Nicht immer ist das gewünscht und manches meiner Fotos hat diese Einstellung damit bereits ruiniert…

Zum Glück gibt es bei vielen Kameras eine zusätzliche Einstellung – man kann den höchsten ISO-Wert festlegen, der im Automatik-Modus verwendet werden darf. So kann man das Risiko deutlich reduzieren, mit zu hohen ISO-Werten zu fotografieren und dann ist es wirklich eine Erleichterung, im ISO-Automatik-Modus zu fotografieren.

ÜBUNG

Nimm dir die Anleitung deiner Kamera und suche das Kapitel, in dem die Einstellung des ISO-Wertes beschrieben ist. Stelle nun wiederum mit Hilfe deiner Anleitung einen niedrigen ISO-Wert ein, am besten 100. Suche dir jetzt ein Fotomotiv aus, das dunkle und helle Komponenten hat. Achte darauf, dass du nicht in der prallen Sonne fotografierst, sonst können wir die höheren ISO-Werte nicht ausprobieren. Stelle eine Blende von f/8 ein und eine zum ISO-Wert passende Belichtungszeit, so dass die Belichtungsanzeige in der Mitte ist.

Mache ein Foto. Stelle anschließend einen ISO-Wert von 800 ein und passe die Belichtungszeit entsprechend an. Mache wieder ein Foto. Das wiederholst du ein paar Mal, bis du bei der höchsten ISO-Zahl, die deine Kamera anbietet, angekommen bist.

Sieh dir die Bilder anschließend an.

  • Welche Auswirkungen hatte der ISO-Wert auf dein Bild?
  • Kannst du bei hohen ISO-Werten ein Rauschen erkennen?
  • Sind bei hohen ISO-Werten alle Kanten scharf dargestellt?
  • Ab welchem ISO-Wert leidet die Qualität so stark, dass du den Qualitätsverlust nicht mehr akzeptieren möchtest?

So, das war meine Grundlagen-Serie für bessere Fotos. Hat sie dir gefallen? Dann freue ich mich über eine Rückmeldung! Ich wünsche dir jetzt viel Spaß beim Fotografieren. Glaub mir, mit der Praxis wird alles einfacher, bleib dran, mach viele Fotos, dann wird es schon bald besser werden!

Die Belichtung

Die Belichtung verstehen – dieser Artikel ist der erste Artikel meiner Grundlagenserie.

Die Blende

Die Blende ist die Öffnung im Objektiv, durch die das Licht in die Kamera fällt. Die Größe dieser Öffnung kannst du verstellen und hast somit direkten Einfluss darauf, wieviel Licht du in die Kamera eintreten lässt und somit auf die Helligkeit und die Gestaltung des Bildes.

Die Belichtungszeit

Die Belichtungszeit bestimmt, wie lange der Verschluss der Kamera geöffnet ist. Sie hat damit Einfluss auf die Helligkeit des Bildes, aber auch auf die Darstellungsart von bewegten Motiven – scharf oder verwischt.