Nachdem wir uns im 1. Artikel dieser Serie mit der Belichtung im Allgemeinen beschäftigt haben möchte ich dir jetzt die Blende erklären. Kurz gesagt ist die Blende die Öffnung im Objektiv, durch die das Licht in die Kamera fällt. Die Größe dieser Öffnung kannst du verstellen und hast somit direkten Einfluss darauf, wieviel Licht du in die Kamera eintreten lässt und somit auf die Helligkeit und die Gestaltung des Bildes.

In diesem Artikel sehen wir uns an:
  • Wo sich die Blende befindet
  • Welche Auswirkungen die Blende auf das Foto hat
  • Welche Blendenwerte es gibt
  • Wie man die Blende einstellt

Wo befindet sich die Blende?

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Die Blende befindet sich im Objektiv. Wenn du von vorn in das Objektiv siehst, kannst du verschiebbare Lamellen sehen. Diese kann man so einstellen, dass eine große oder aber eine kleine Öffnung entsteht.

Das hat in erster Linie Einfluss auf die Lichtmenge, die in die Kamera fällt. Stell dir vor, du hast einen Wasserhahn. Ist er nur ein wenig aufgedreht, läuft nur wenig Wasser in einem kleinen Strahl aus dem Hahn. Ist er hingegen ganz aufgedreht ist der Strahl deutlich stärker und es läuft deutlich mehr Wasser aus dem Hahn. So verhält sich das auch mit der Blende – ist sie weit offen kommt viel Licht in die Kamera, ist sie weit geschlossen kommt wenig Licht in die Kamera. Logisch, oder?

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WELCHE AUSWIRKUNGEN HAT DAS AUF DAS FOTO?

Die Lichtmenge ist nicht der einzige Aspekt, der von der Blende beeinflusst wird – sie hat auch einen erheblichen Einfluss auf die Tiefenschärfe im Bild. Bei einer weit geöffneten Blende ist nur ein kleiner Teil des Bildes scharf dargestellt, alles, was sich außerhalb der Fokusebene befindet, wird hingegen unscharf dargestellt. Das ist schön bei Porträts oder bei Blumen-Fotos – du erreichst so, dass der Hintergrund nicht von deinem Motiv ablenkt.
Ist die Blende hingegen weit geschlossen, ist die Tiefenschärfe viel größer, fast alles auf dem Foto ist scharf. Das ist besonders gut bei Landschaftsaufnahmen.

Der Versuchsaufbau…

von oben gesehen – die Katzen stehen hintereinander, versetzt. Fokussiert wird auf die große Katze in der Mitte.

Blende f/22: 

Die Katzen sind scharf zu erkennen, die Blumen im Hintergrund und das Blatt im Vordergrund ebenfalls.

Blende f/11:

Der Unterschied zu Blende f/22 ist nicht sehr groß, nur das rote Blatt im Vordergrund ist nicht mehr ganz scharf dargestellt.

Blende f/5,6

Das rote Blatt im Vordergrund ist jetzt unscharf, die Blumen im Hintergrund ebenfalls. Die vordere und die hintere Katze sind nicht mehr ganz scharf, aber die Gesichter sind trotzdem noch gut zu erkennen.

Blende f/3,5:

Jetzt ist nur noch die mittlere, große Katze wirklich scharf. Hintergrund, Vordergrund sowie hintere und vordere Katze sind jetzt nur noch unscharf.

Blende f/1,8:

Bei dieser weit geöffneten Blende sind die Blumen im Hintergrund nur noch als Punkte zu erkennen. Im Vordergrund sieht man das rote Blatt auch nur noch als roten Punkt die vordere und die hintere Katze sind zwar noch als Katzen zu erkennen, aber ebenfalls bereits sehr unscharf.

WELCHE BLENDENZAHLEN GIBT ES?

Die Blendenzahlen sind etwas gewöhnungsbedürftig. Ist die Blende weit geöffnet, ist die Blendenzahl klein, z.B. eine f/2.8. Ist sie hingegen weit geschlossen, ist die Blendenzahl groß, z.B. eine f/22. Das klingt zunächst sehr unlogisch – kleine Blende bei großer Zahl, große Blende bei kleiner Zahl.
Das lässt sich so erklären: der Durchmesser der Öffnung lässt sich mit Hilfe eines Bruchs ausrechnen – die Blendenzahl steht dabei im Nenner des Bruchs. Je kleiner also die Blendenzahl ist, desto größer ist der Durchmesser der Öffnung.

WELCHE BLENDENSTUFEN GIBT ES?

Die Blendenzahlen sind in Stufen angeordnet und von jeder Stufe zur nächsten verdoppelt bzw. halbiert sich die Lichtmenge, die durch die Öffnung fällt:

f/1 f/1.4 f/2 f/2.8 f/4 f/5.6 F8 f/11 f/16 f/22 f/32

 

Das ist die Blendenreihe mit ganzen Stufen. Bei einigen Kameras gibt es auch Zwischenstufen (halbe oder Drittel-Stufen). So entstehen Blendenzahlen wie z.B. f/1.8 oder f/14.

Tipp: Nicht jedes Objektiv bietet jede Blende! Objektive mit niedrigen Blendenzahlen also großer Blende nennt man „lichtstarke Objektive“. Normalerweise ist der niedrigste Blendenwert auf dein Objektiv aufgedruckt.

WO STELLE ICH DIE BLENDE EIN?

Leider muss ich hier sagen – das kommt darauf an… Es kommt auf deine Kamera und auf den eingestellten Modus an. Bei einer Canon-Kamera kann die Blende im Modus Av über das Drehrädchen (Hauptwahlrad) oben auf der Kamera eingestellt werden. Ablesen kannst du ihn dann im Display. Im Beispiel zeige ich ein Bild meiner Canon EOS 6D.

Im Modus M wird die Blende hingegen über den runden Wahlschalter an der Hinterseite der Kamera eingestellt.
Bei den kleineren Canon-Kameras lässt sich die Blende im Av-Modus genauso einstellen, im Modus M muss die Taste AV +/- gedrückt gehalten werden und dann das Hauptwahlrad verstellt werden. Auch hier kann die Blendenzahl im Display abgelesen werden.
Bei Nikon, Sony und anderen Kameras verhält sich das ähnlich – leider muss ich hier auf die Anleitung verweisen. Alle Kameras zu berücksichtigen würde diesen Artikel sprengen.

ÜBUNG

Nimm dir die Anleitung deiner Kamera und suche das Kapitel, in dem die Einstellung des Modus A bzw. AV beschrieben ist. Normalerweise befindet sich oben auf der Kamera ein Rad, mit dem du durch Drehen diesen Modus einstellen kannst. Stelle nun wiederum mit Hilfe deiner Anleitung eine niedrige Blendenzahl ein, am besten so niedrig wie es bei deinem Objektiv geht. Das kann eine 1,8 sein, das kann aber auch eine 4 oder 5,6 sein, das hängt ganz von deinem Objektiv ab.

Suche dir jetzt ein Fotomotiv aus, das unterschiedlich weit entfernte Bestandteile hat – so ähnlich wie mein „Katzenmotiv“ weiter oben. Etwas im Vordergrund und etwas im Hintergrund, mehrere kleine Figuren hintereinander, Obststücke, die in einer Reihe liegen oder ähnliches. Mache ein Foto. Schließe die Blende etwas (höhere Blendenzahl), mache wieder ein Foto. Das wiederholst du ein paar Mal, bis du bei der höchsten Blendenzahl (also der kleinsten Öffnung) angekommen bist.

Sieh dir die Bilder anschließend an.

  • Welche Auswirkungen hatte die Blendenzahl auf dein Bild?
  • Wann wurde der Hintergrund unscharf?
  • Welche Einstellung gefällt dir am besten?

Fühlst du dich fit zum Thema „Blende“? Dann geht es hier mit der Belichtungszeit weiter!

Die Belichtung - was genau ist das

Was genau ist die Belichtung – ich erkläre es dir!

Die Belichtungszeit

Die Belichtungszeit bestimmt, wie lange der Verschluss der Kamera geöffnet ist. Sie hat damit Einfluss auf die Helligkeit des Bildes, aber auch auf die Darstellungsart von bewegten Motiven – scharf oder verwischt.

Der ISO-Wert

Der ISO-Wert bestimmt, welche Lichtmenge für eine korrekte Belichtung erforderlich ist.