Findest du deine Fotos langweilig und nichtssagend? Möchtest du gern wissen, wie du auf einfache Art und Weise etwas mehr Spannung in deine Aufnahmen bringen kannst? Dann erkläre ich dir jetzt die Drittelregel, denn mit der machst du deine Fotos interessanter, ausgewogener und insgesamt harmonischer.

Natürlich gibt es noch viel mehr Fotografie-Tipps rund um die Bildkomposition, aber ich halte nicht viel davon, dich mit vielen Tipps zu bombardieren und dann zu überfordern. Daher möchte ich dir zu Anfang zunächst nur eine Regel vorstellen: die Drittelregel, denn die ist auch besonders einfach umzusetzen.

Aber auch einige andere Regeln werde ich dir natürlich noch näher bringen – in späteren Artikeln!

WAS BESAGT DIE DRITTELREGEL

So, was besagt nun die Drittelregel? Im Wesentlichen besagt diese Regel, das Hauptmotiv nicht mittig im Bild zu platzieren, sondern auf eine der „Drittellinien”. Für diese Drittellinien teilst du das Foto in 9 gleich große Teile, in dem du dir zwei horizontale und zwei vertikale Linien gleichmäßig verteilt in dein Bild denkst, so wie du es auf dem Foto mit dem Gänseblümchen siehst.

Achte darauf, dass die besonders wichtigen Elemente deines Motivs genau auf den Schnittlinien der Linien liegen, also z.B. die Augen deines Motivs bei Porträt-Fotos oder dein Hauptmotiv in der Landschaftsaufnahme, z.B. ein herausstechender Baum.

Keine Regel ohne Ausnahme! Die Drittelregel kann in vielen Situationen das Mittel der Wahl sein, um ein Foto interessanter zu machen. Es gibt aber auch Motive, die mit einer mittigen Platzierung besser funktionieren, zum Beispiel symmetrische Motive oder quadratische Bildformate. Und letzten Endes entscheidest immer du, was du mit dem Foto ausdrücken möchtest und so wählst auch du die Aufteilung, so wie sie dir gefällt.

WOHIN PLATZIERE ICH MEINE MOTIVBESTANDTEILE?

Und auf welche Linie positionierst du das Hauptmotiv jetzt? Rechts oder links? Oben oder unten? Wie so häufig gibt es dafür keine einzig richtige Antwort, denn das kommt darauf an…

Bei diesem Foto sitzt die Kröte auf dem linken, unteren Schnittpunkt der Drittellinien und schaut nach rechts, in den freien Raum. Und das solltest du bei solchen Aufnahmen berücksichtigen. Die Blick- oder auch die Bewegungsrichtung sollte immer in den größeren, freien Raum gehen, damit der Betrachter deines Fotos sehen kann, wohin dein Motiv sieht bzw. wohin sich dein Motiv bewegt.

Die Drittelregel lässt sich übrigens auch wunderbar auf Landschaftsaufnahmen anwenden. Dabei liegt die Horizontlinie entweder auf der unteren (wenn du den Himmel betonen möchtest) oder auf der oberen Drittellinie (wenn du die Landschaft betonen möchtest).

Achte grundsätzlich darauf, dass der Horizont in deinen Fotos wirklich waagerecht ist! Nichts irritiert die Betrachter mehr, als schiefe Horizonte. Am besten du achtest bereits bei der Aufnahme darauf.

Bei dieser Aufnahme hatte ich einen interessanten Himmel vor mir, daher habe ich entschieden, den Horizont auf die untere Drittellinie zu legen. So entstand in dem Foto viel Platz für den schönen Himmel. Der Leuchtturm befindet sich im Schnittpunkt der rechten Drittellinie mit der unteren Drittellinie.

Bei diesem Foto, das ich in der Nähe von St. Raphael in Südfrankreich aufgenommen habe, war der Himmel strahlendblau. Und langweilig. Daher hat er auf diesem Foto nicht ganz so viel Platz von mir bekommen 🙂

GITTERNETZLINIEN EINBLENDEN

Einige Kameras können dir als Hilfsmittel die Drittellinien im Display einblenden, so dass du bereits bei der Aufnahme deutlich erkennen kannst, ob du deine Bildinhalte richtig platzierst. Dabei gibt es entweder die bereits erwähnte, gleichmäßig aufgeteilte Drittelaufteilung oder aber eine leicht adaptierte. Probiere beide aus und entscheide selbst was dir besser gefällt.

  • Die Canon EOS 1300 bietet gleich zwei verschiedene Gitter,  an – du kannst sie einblenden in dem den Knopf „MENU“ auf der Rückseite deiner Kamera drückst und dann im Funktionsmenü auf den zweiten bzw. vierten Tab (je nach aktuellem Kamera-Modus) wechselst und dort den Eintrag „Gitteranzeige“ auswählst.
  • Bei der Nikon 3300 hingegen drückst du mehrfach den Knopf i und erreichst so, dass die Gitterlinien eingeblendet werden.
  • Bei der Panasonic Lumix DMC GF7 musst du den MENU-Knopf auf der Rückseite der Kamera drücken, anschließend den Schraubenschlüssel mit dem C wählen und dann „Gitterlinie“. Jetzt werden dir verschiedene Gitter angeboten, von denen du eines auswählen kannst. Du kannst die Auswahl entweder über die Pfeiltasten oder aber durch direktes Berühren des Touchscreens treffen.
  • Bei der Sony Alpha 5000 musst du ebenfalls die MENU-Taste drücken, dann das Zahnrad (Benutzereinstellungen) und anschließend im Bereich „Gitterlinie“ das Gitter auswählen.

ZEIT FÜR PRAXIS

So, und jetzt bist du dran. Wende diese Regel bei deinen nächsten Aufnahmen an: Nimm deine Kamera auf deinen nächsten Spaziergang mit und mache Fotos von der Landschaft, durch die du spazierst. Stelle den Modus an deiner Kamera auf „Landschaft“, das funktioniert bei den meisten Kameras über das Wahlrad oben auf der Kamera,  und blende – wenn bei deiner Kamera möglich – Gitterlinien ein.
Bei einigen der Kameras sind die Gitterlinien nicht nach der Drittelregel aufgeteilt, aber die Linien können dir trotzdem einen ersten Eindruck vermitteln und zumindest dafür sorgen, dass der Horizont gerade ist.
Mache mehrere Aufnahmen, bei denen du bewusst darauf achtest, die Bildelemente auf den Drittellinien zu platzieren. Achte auf die Lage des Horizontes – ist der Himmel interessant? Dann lege den Horizont auf die untere Drittellinie. Ist er nicht interessant, lege ihn auf die obere Drittellinie. Gibt es in deinem Motiv etwas, was das „Besondere“ an deinem Foto ausmacht, was du besonders hervorheben möchtest? Dann lege das Element auf einen Kreuzungspunkt der Linien. Untersuche anschließend am PC, ob du deine Motiv so platziert hast, dass dich die Fotos ansprechen.