Gänseblümchen auf der Wiese
Bei Portrait- oder Makroaufnahmen möchtest du dein Hauptmotiv gut in Szene setzen und störende Hintergrundelemente „ausblenden“. Aus diesem Grund ist der Hintergrund bei vielen solcher Aufnahmen ganz unscharf dargestellt, so dass das Auge des Betrachters automatisch auf dem Hauptmotiv bleibt – im Hintergrund gibt es schließlich nicht viel zu entdecken. Doch wie geht das und worauf musst du achten? In diesem Artikel erkläre ich dir, worauf du achten musst, um einen unscharfen Hintergrund zu bekommen.

TIPP 1: ÖFFNE DIE BLENDE

Mit einer geeigneten Blendeneinstellung kannst du schon viel zu einem unscharfen, verschwommenen Hintergrund beitragen. Dabei gilt: Je weiter die Blende geöffnet ist – also je kleiner die Blendenzahl ist – umso unschärfer wird der Hintergrund.

Jedes Objektiv bietet dabei unterschiedliche Blendenwerte, es gibt Objektive mit einer Offenblende von 1,8, die normalen Kit-Objektive beginnen hingegen erst bei 3,5 – 4. Das reicht aber schon aus, um einen ganz gut verschwommenen Hintergrund hinzubekommen. Denn nicht nur die Blende beeinflusst die Schärfe, sondern auch noch die folgenden drei Punkte.

Tipp: Du fühlst dich noch nicht ganz sattelfest, wenn es um „die Blende“ geht? Dann lies meinen Artikel „Die Blende“, da habe ich alle Details erklärt!

Blüte mit scharfem Hintergrund
Bei diesem Bild hatte ich eine Blende von f/22 eingestellt, die Blende war also ziemlich geschlossen. Der gesamte Hintergrund ist gut zu erkennen und lenkt sehr von dem eigentlichen Motiv – der lila-farbenen Blüte – ab.
Unscharfer Hintergrund
Bei diesem Bild hingegen habe ich eine Blende von f/4 eingestellt, der Hintergrund ist dadurch schon wesentlich besser verschwommen und lenkt nicht mehr so sehr ab.
Obwohl ich die Blende beim zweiten Bild maximal geöffnet habe (dieses Objektiv hat eine maximale Blendenöffnung von f/4.0) ist der Hintergrund noch nicht optimal verschwommen. Wie kannst du das nun noch weiter verbessern, wenn du kein lichtstärkeres Objektiv zur Verfügung hast? Da kommt Tipp 2 ins Spiel…

TIPP 2: GROSSER ABSTAND ZWISCHEN MOTIV UND HINTERGRUND

Trockenblume
Achte unbedingt darauf, dass der Abstand zwischen dem Motiv und dem Hintergrund so groß wie möglich ist! Je größer der Abstand, umso unschärfer ist nämlich der Hintergrund. Wenn du ein bewegliches Motiv hast kannst du es so positionieren, dass der Abstand möglichst groß ist. Wenn du hingegen ein unbewegliches Motiv hast, musst du dich selbst bewegen und eine andere Perspektive wählen. Bei dem unter „Tipp 1“ gezeigten Blumenbild hätte ich die Blüte z.B. von der Seite aufnehmen können (statt wie hier von oben). Wenn ich dann noch darauf geachtet hätte, dass nicht direkt dahinter weitere Pflanzen stehen, hätte ich den Abstand zwischen Motiv und Hintergrund vergrößern können.

TIPP 3: GEH NAH DRAN

Tatsächlich ist es nicht nur wichtig, dass der Abstand zwischen dem Motiv und dem Hintergrund groß ist. Sondern du kannst die Unschärfe im Hintergrund auch erhöhen, indem du möglichst nah an dein Motiv herangehst. Es gilt also: großer Abstand zwischen Motiv und Hintergrund, kleiner Abstand zwischen Motiv und Fotograf!

TIPP 4: VERWENDE EINE LANGE BRENNWEITE

Sträußchen an Kirchenbank

Hilfreich für einen unscharfen Hintergrund ist auch eine lange Brennweite. Je kürzer die Brennweite, umso schärfer wird das Bild. Dieser Tipp widerspricht natürlich dem Tipp „geh nah an dein Motiv heran“. Denn wenn ich eine lange Brennweite nehme, kann ich nicht ganz so nah an das Motiv herangehen. Am besten du probierst ein wenig aus, mit welchem Abstand und welcher Brennweite du die besten Ergebnisse erzielst.

Bei dem Bild mit dem Sträußchen an der Kirchenbank habe ich mit einer Brennweite von 105 mm gearbeitet.

ZUSAMMENFASSUNG

Mit den folgenden vier Faktoren kannst du einen unscharfen Hintergrund in deine Fotos zaubern:

  • Blende weit öffnen
  • Großen Abstand zwischen Motiv und Hintergrund einhalten
  • Nah an dein Motiv herangehen
  • Eine lange Brennweite verwenden

Bei den folgenden „Heidelbeer-Aufnahmen“ kann man einige dieser Punkte in Aktion sehen. Meistens erreichst du die besten Ergebnisse, wenn du ein wenig von allen vier Tipps anwendest:

Mein erstes Heidelbeer-Bild habe ich von oben aufgenommen. Ich habe eine Blende von f/4,5 und eine Brennweite von 105 mm verwendet. Ich war auch relativ nah an mein Motiv herangegangen – Tipp 1, Tipp 3 und Tipp 4 habe ich also beachtet. Tipp 2 habe ich aber nicht beachtet. Fast alle Bildteile sind gleich nah von meinem Bildsensor entfernt – daher ist auch fast alles scharf dargestellt.

Beim zweiten Bild habe ich Blende und Brennweite so gelassen (f/4,5, 105 mm), habe aber eine andere Perspektive gewählt. Ich habe die Kamera etwas tiefer gehalten und die Heidelbeeren von der Seite aufgenommen. Dadurch ist der Abstand zwischen Heidelbeeren und Hintergrund etwas größer geworden, jetzt ist nur noch der Zweig mit den zwei Heidelbeeren richtig scharf. Hier habe ich Tipp 1, Tipp2 und Tipp 4 eingehalten – nicht aber Tipp 3 (Geh nah dran).

Beim dritten Bild habe ich Blende und Brennweite ebenfalls so gelassen (f/4,5, 105 mm), bin aber etwas näher an das Motiv herangegangen. Dadurch habe ich alle 4 Tipps eingehalten.

Beim vierten Bild bin ich dann noch näher an das Motiv gerückt, jetzt sind im Hintergrund nur noch Schattierungen und keine Details mehr zu erkennen.

Tipp: Ich fotografiere gern im Modus Av/A, wenn ich den Hintergrund unscharf machen möchte. In diesem Modus stelle ich die Blende selbst ein, die Kamera mischt dann die Belichtungszeit passend dazu. Wenn du mehr über die verschiedenen Kameramodus wissen möchtest, findest du im Artikel „Automatik oder manuell?“ weitere Hinweise dazu.

Eichel auf Bank

Ich hoffe, meine Erläuterungen haben dir etwas weitergeholfen – und jetzt wünsche ich dir viel Spaß beim Ausprobieren! Blöder Spruch, stimmt aber: Übung macht den Meister!