In meinen letzten Blog-Artikel „Richtig scharf – Teil 1“ habe ich dir erklärt, wie du fokussierst und worauf du dabei achten musst. In diesem zweiten Teil meiner Mini-Artikel-Serie zeige ich dir jetzt ein paar Punkte, die ebenfalls die Schärfe deiner Fotos beeinflussen können, die aber nicht direkt mit dem Fokussieren zusammenhängen.

GIB DEINER KAMERA HALT

Je weniger du wackelst, umso sicherer wird es, dass deine Bilder scharf sind.
Insbesondere, wenn du lange Objektive mit großen Brennweiten verwendest musst du das Objektiv mit einer Hand abstützen. Die Auswirkungen einer Verwackelung sind nämlich umso größer, je größer / länger das Objektiv ist. Mit dieser Skizze möchte ich dir das verdeutlichen:
Obwohl die Kamera um denselben Winkel verkippt ist, sind die Auswirkungen für das längere Objektiv größer, das deutet der rote Pfeil in den Skizzen an.
Um die Verwackelungsgefahr etwas zu reduzieren, stützt du also mit der linken Hand von unten das Objektiv ab. Zusätzlich kannst du noch die Ellenbogen beider Arme möglichst nah an den Körper bringen, so schaffst du eine stabilere Basis.
Und was bringt noch Bewegung in den Körper? Richtig, der Atem! Letzten Sonntag habe ich die Biathlon-WM geschaut. Hast du mal beobachtet, was die Athleten machen, wenn sie an den Schießstand kommen? Während sie ankommen, das Gewehr fertig machen und die richtige Position einnehmen atmen sie laut, tief und schnell. Kurz vor dem Anvisieren der Zielscheibe holen sie dann einmal tief Luft, atmen aus und dann scheinen sie das Atmen gänzlich aufzugeben – denn jegliche Bewegung beim Schießen wäre störend und würde die Trefferquote deutlich senken. Das hilft dir auch beim Fotografieren – einmal tief Luft holen, ausatmen und dann beim Fotografieren kurz pausieren und schon hast du wieder eine Bewegungsquelle ausgeschaltet.

Tipp: Wenn es die Situation möglich macht, kannst du dich auch zusätzlich irgendwo anlehnen, z.B. an eine Wand, einen Pfeiler und so das Wackeln des gesamten Körpers zusätzlich reduzieren. Auch kannst du die Ellenbogen aufstützen, z.B. auf einem Geländer oder einer Mauer. Alles, was Stabilität in den Körper bringt, ist erlaubt 😃

Die Digital Photography School hat einen schönen Spickzettel zur Kamerahaltung erstellt. Er ist zwar auf Englisch, enthält aber viele Fotos und ein Bild sagt bekanntlich mehr als 1000 Worte. Sieh’ in dir doch einfach mal an.

VERWENDE ZUR BRENNWEITE PASSENDE BELICHTUNGSZEITEN

Wenn du eine lange Brennweite verwendest, verwackelst du das Bild also eher als mit einer kurzen Brennweite (s. Skizze weiter oben). Neben einer geeigneten Kamerahaltung kannst du der Verwacklung entgegenwirken, in dem du eine zur Brennweite passende Belichtungszeit wählst. Die folgende Formel kann dir als Richtlinie gelten, die richtige Belichtungszeit zu finden:
Beispiele gefällig?
Du verwendest eine Brennweite von 125 mm – dann ist eine geeignete Belichtungszeit 1/125 s. Bei einer Brennweite von 30 mm hingegen wäre die geeignete Belichtungszeit 1/30 s.

Aber Achtung! Diese Formel gilt für Vollformatkameras, das sind Kameras mit einem Sensor, der dem Kleinbildformat entspricht. Viele Kameras verwenden aber einen kleineren Sensor, z.B. einen APS-C-Sensor. Bei diesen Kameras musst du die Brennweite etwa verdoppeln, bevor du den Kehrwert nimmst. Also statt der 1/125 s nimmst du dann 1/250 s. Oder statt der 1/30 s nimmst du 1/60 s. Eine ausführliche Erklärung zu dem Zusammenhang findest du in meinem E-Book „Einfach schärfer fotografieren“, das demnächst erscheinen wird.

TIPP: Diese Richtlinie soll auch nur genau das sein – nämlich eine Richtlinie. Das ist kein allgemeingültiges Gesetz. Ob dein Bild auch mit längeren Belichtungszeiten unverwackelt gelingt hängt natürlich z.B. auch davon ab, wie ruhig du die Kamera halten kannst. Verwende diese Richtlinie, probiere aus und passe die Richtlinie nach Belieben an – so wie es zu dir, deiner Kamera und deinem Objektiv passt.

So weit so gut – aber was machst du, wenn die von dir verwendete Brennweite keine Entsprechung in der Liste der Belichtungszeiten hat? Also zum Beispiel eine Brennweite von 100 mm, deine Kamera bietet aber nur Belichtungszeiten von 1/60 s (zu lang für die Brennweite) oder 1/125 s (kürzer als der Kehrwert)? Dann verwendest du die kürzere Belichtungszeit, also 1/125 s, denn so gehst du sicher!

VERWENDE EINEN BILDSTABILISATOR

Einige Objektive – insbesondere die Hochwertigeren – bieten einen Bildstabilisator. Das ist ein kleiner Schalter am Objektiv, den du einschalten solltest, wenn du aus der Hand fotografierst. Bei Tamron heißt diese Funktion „VC“ für vibration compensation, „IS“ für image stabilizer bei Canon, O.I.S für optical image stabilisator bei Panasonic, „VR“ für vibration reduction bei Nikon, um hier nur ein paar aufzuzählen.
Aber nicht nur Objektive bieten diese Funktion, auch einige Kameras haben einen integrierten Bildstabilisator. Hier sind besonders die Hersteller Konica, Minolta, Pentax, Olympus, Sony, FujiFilm und Panasonic zu nennen. Wenn der Bildstabilisator bereits im Kamerakörper untergebracht ist, benötigt man ihn natürlich nicht mehr am Objektiv, was sich deutlich bei den Kosten bemerkbar machen kann, vor allem wenn man mehrere Objektive verwendet. Diese Funktion heißt je nach Hersteller Image Stabilization, Shake Reduction System oder auch Vibration Correction.
Die Bildstabilisatoren sind laut Herstellern in der Lage die Zeit um das 2- bis 4fache zu verlängern, in der du in der Lage bist verwackelungsfrei zu fotografieren.
Beide Fotos wurden mit folgenden Einstellungen gemacht:
Blende: f/8.0
Belichtungszeit: 1/40 s
Brennweite: 100 mm
ISO: 500
Das erste Bild wurde mit Bildstabilisator gemacht, das andere ohne.
Tipp: Der Bildstabilisator wirkt nur dem „Verwackeln“ durch die Bewegung der Kamera während der Aufnahme entgegen. Er hilft nicht, wenn sich das Motiv während der Aufnahme bewegt. In diesen Fällen musst du eine kurze Belichtungszeit wählen – und damit kommen wir auch schon zum nächsten Punkt:

WÄHLE DEM MOTIV ANGEPASSTE BELICHTUNGSZEITEN

In meinem Artikel „Die Belichtungszeit – einfach erklärt“ habe ich dir erklärt, dass du für schnell bewegte Motive kurze Belichtungszeiten benötigst, wenn du sie scharf darstellen möchtest. Wenn du dir nicht mehr sicher bist, welche Auswirkungen die Belichtungszeit auf dein Foto hat, lies dort einfach noch einmal nach. Je schneller sich dein Motiv bewegt, umso kürzer muss deine Belichtungszeit sein, wenn du das Motiv scharf darstellen möchtest.

Die Belichtungszeit

Die Belichtungszeit bestimmt, wie lange der Verschluss der Kamera geöffnet ist. Sie hat damit Einfluss auf die Helligkeit des Bildes, aber auch auf die Darstellungsart von bewegten Motiven – scharf oder verwischt.

WÄHLE EINE GEEIGNETE BLENDE

Die Blende hat einen großen Einfluss auf die Tiefenschärfe im Bild. Auch zu diesem Thema gibt es bereits einen Artikel auf meinem Blog: Die Blende. Denke daran, dass eine weit geöffnete Blende (kleine Blendenzahl) auch eine geringe Tiefenschärfe mit sich bringt. Und das kann wiederum bedeuten, dass ein Teil deines Motivs, den du gern scharf darstellen würdest – bereits unscharf ist. Das passiert besonders häufig bei Gruppen-Fotos. Eigentlich möchtest du den Hintergrund schön unscharf darstellen, daher wählst du eine offene Blende. Aber die einzelnen Gruppenmitglieder befinden sich nicht alle in derselben Entfernung zum Objektiv – da passiert es schnell, dass du ein paar Personen scharf hast, andere aber leider nicht.
Sollte das der Fall sein, musst du die Blende etwas weiter schließen oder etwas weiter weggehen.

Die Blende

Die Blende ist die Öffnung im Objektiv, durch die das Licht in die Kamera fällt. Die Größe dieser Öffnung kannst du verstellen und hast somit direkten Einfluss darauf, wieviel Licht du in die Kamera eintreten lässt und somit auf die Helligkeit und die Gestaltung des Bildes.

HALTE DEINE AUSRÜSTUNG SAUBER

Das ist zwar eigentlich logisch – aber man vergisst es nur allzu schnell. Wenn dein Objektiv z.B. beschlagen ist, sich Staubkörner darauf befinden oder gar getrocknete Regentropfen schlägt sich das natürlich in der Qualität deiner Bilder nieder. Also immer schön sauberhalten! Und nein, es reicht nicht den Ärmel deines Pullis zum Reinigen zu verwenden 😉
Im Handel gibt es viele Angebote von Reinigungssets speziell für Foto-Ausstattungen:
  • Antistatische Reinigungstücher
  • Kleine Blasebälge
  • Reinigungsstifte (Lenspen)
  • usw.
Wenn du das Objektiv nicht im Gebrauch hast, solltest du immer den Objektivdeckel aufsetzen. Wenn du fotografierst, kann die Gegenlichtblende Schutz bieten.

WÄHLE EINEN NIEDRIGEN ISO-WERT

Der ISO-Wert

Der ISO-Wert bestimmt, wie viel Licht für eine korrekte Belichtung benötigt wird und regelt die Empfindlichkeit des Sensors.
Es ist grundsätzlich immer gut, einen möglichst niedrigen ISO-Wert zu wählen. Denn so kannst du das sogenannte Rauschen im Bild vermeiden. Die Details dazu erkläre ich in meinem Artikel „Der ISO-Wert bestimmt die benötigte Lichtmenge“. Ein Foto mit starkem Rauschen hat keine stark ausgeprägten Kanten und wirkt daher immer unschärfer als eine Foto ohne Rauschen.

Tipp: Nicht jedes Bild, in dem Unschärfe vorhanden ist, muss schlecht sein. Manchmal spielt der Fotograf auch absichtlich mit der (Un-)Schärfe. So können auch wunderschöne Fotos entstehen. Bei dem nebenstehenden Bild habe ich bei einer Belichtungszeit von 2,5 s absichtlich die Kamera bewegt, als ich den Wald fotografiert habe.

So, das war es erst einmal mit meiner Mini-Serie „Richtig scharf“. Wenn du noch mehr darüber wissen möchtest, wie deine Fotos noch schärfer werden können, empfehle ich dir mein E-Book „Einfach schärfer fotografieren“, das in Kürze erscheinen wird.