Wenn Du gern Fotos machst und gleichzeitig von Deinen unscharfen und verwackelten Fotos genervt bist kommt der Moment, in dem Du über eine neue oder bessere Kamera nachdenkst und du Dich fragst: “Welche Kamera soll ich kaufen?” Das Angebot ist riesig und Du weißt nicht recht, was für Dich geeignet ist. Ein echtes Dilemma.

So ging es kürzlich auch einer Dame auf Facebook in einer Gruppe für Fotografie-Anfänger und -Fortgeschrittene. Sie schrieb unter einem Foto von ihren Hunden die folgende Frage:

„Ich komm auch direkt mit einer Frage denn ich bin noch absoluter Anfänger.
Hier ist eines von den letzten Bildern die ich von meinen Jungs gemacht habe.
Ich habe es im Nachhinein schwarz weiß gemacht da die Qualität ziemlich schlecht war…
Nun sind wir auf der Suche nach einer neuen Kamera. Welche Kameras (Spiegelreflexkamera) könnt ihr denn empfehlen?

Auf diese Fragen bekam sie einige Gegenfragen, wie zum Beispiel:
  • Willst du eine mit Spiegel oder ohne?
  • Welche Auflösung soll sie haben?
  • Welche Brennweiten brauchst du?
  • Wie lichtstark soll dein Objektiv sein?
  • Wie groß soll der Sensor sein?
  • Soll dein Objektiv ein Zoom oder eine Festbrennweite sein?
Und da habe ich an meine Anfängerzeit zurückgedacht. Da hätte ich mit diesen Fragen nichts, aber auch überhaupt nichts anfangen können, ich war damals schon überfordert von den ganzen Begriffen, die mir nichts sagten.
  • Was bedeutet Brennweite und wann nehme ich welche?
  • Was sagt die Sensorgröße über die Kamera aus und woher soll ich wissen, welche Größe gut ist für meine Zwecke?
  • Was um Gottes Willen ist ein lichtstarkes Objektiv?
Ich denke auch in diesem Fall war die fragende Person mit den Gegenfragen überfordert! Mal abgesehen von den Gegenfragen gab es zum Glück auch ein paar hilfreichere Antworten, die ihr rieten zum Fachhändler ihres Vertrauens zu gehen und sich dort beraten zu lassen. Das ist natürlich immer hilfreich, denn der kann Dir direkt Fragen stellen und dann die für Deine Zwecke geeigneten Modelle empfehlen.

TIPP: Wenn Du zum Fachhändler gehst und der dich nicht fragt, welche Art Fotos Du machen möchtest, was du fotografieren wirst und wie intensiv Du dieses Hobby betreiben möchtest, sondern einfach anfängt Dir die neuesten hochpreisigen Modelle vorzustellen – dann verabschiede Dich lieber und geh zum nächsten Händler. Eine Empfehlung für eine Kamera und/oder ein Objektiv macht nur Sinn, wenn sie auf Deine Anforderungen ausgerichtet ist.

Aber was, wenn Du Dich erst einmal vorab im Internet informieren möchtest und nicht zum Fachhändler gehen möchtest? Wenn keiner in Deiner Nähe ist? Wenn Du noch nie mit der Fotografie zu tun hattest und auch die Fachbegriffe nicht kennst? Dann ist dieser Artikel für Dich 🙂

WELCHE KAMERATYPEN GIBT ES?

Grundsätzlich werden zurzeit drei große Kategorien von Kameras unterschieden:
  1. Kompaktkameras
  2. Systemkameras
  3. Spiegelreflexkameras
Alle drei haben ihre Existenz-Berechtigung und welche Du wählen solltest, hängt wesentlich von Deinen Anforderungen ab. Ich erkläre Dir zunächst die Unterschiede zwischen den Typen.

DIE KOMPAKTKAMERA

Die Kompaktkamera hat ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zu den beiden anderen Typen: Du kannst das Objektiv nicht wechseln, es ist fest in der Kamera verbaut.

Vorteile

  • Sie ist einfach zu transportieren
  • Sie ist sehr leicht
  • Sie ist schnell einsatzbereit
  • Sie ist (verhältnismäßig) preisgünstig
  • Sie benötigt kaum Zubehör
  • Sie ist leicht zu bedienen, es sind kaum Einstellungen zwingend erforderlich
  • Sie ist flexibel für viele Situationen einsetzbar

Nachteile

  • In vielen Situationen ist die Qualität der Fotos etwas schlechter als bei den anderen beiden Typen
  • Insbesondere bei schlechten Lichtbedingungen können die Fotos schnell verrauscht sein (farbige Pixel)
  • Einstellungen können bei sehr günstigen Modellen nicht gewählt werden, Du hast weniger Gestaltungsmöglichkeiten.
  • Für Menschen mit großen Händen sind sie manchmal schwierig zu bedienen
  • Kompaktkameras haben häufig keinen optischen Sucher mehr, sondern nur noch das Display an der Hinterseite der Kamera. Das ist insbesondere bei hellen Lichtbedingungen unangenehm, da man das Bild nicht gut sehen kann.
Die begrenzten Einstellmöglichkeiten können als Vor- aber auch als Nachteil gesehen werden. Du musst nicht so viele Einstellungen machen und kannst auch als Anfänger schnell loslegen. Du hast aber auch nicht so viele Möglichkeiten, das Bild selbst zu gestalten, wenn Du später etwas fortgeschrittener bist. Alle besseren Kompaktmodelle bieten aber auch die Möglichkeit, Einstellungen selbst vorzunehmen. Du siehst, die Kompaktkamera hat durchaus viele Vorteile.

Preise

Kompaktkameras bekommst Du bereits ab 75 Euro, nach oben sind mittlerweile aber kaum noch Grenzen gesetzt. So kannst Du für die besseren Geräte auch mehr als 1000 Euro ausgeben. Die etwas teureren Kameras bieten alle Funktionen und Einstellmöglichkeiten, die die anderen beiden Typen auch bieten. Du kannst also Blende, Belichtungszeit und ISO selbst einstellen. Diese Geräte heißen dann zwar trotzdem „Kompakt-Kamera“ bieten aber bis auf den Objektivwechsel alles, was auch die anderen bieten. Allerdings ist das Objektiv wie gesagt fest verbaut und kann nicht gewechselt werden, was bei der Gestaltung doch wieder etwas einschränkt.

Mein Fazit zur Kompaktkamera

Die (günstige) Kompakt-Kamera ist ein Generalist – sie macht in vielen Situationen ihre Arbeit gut, sie macht sie aber in den verschiedenen Situationen nur selten sehr gut! Dazu bräuchtest Du dann wieder spezielle Objektive mit bestimmten Brennweiten. Das führt mich zum nächsten Typ:

SYSTEMKAMERA UND SPIEGELREFLEXKAMERA

Bei diesen beiden Kamera-Typen kannst Du im Unterschied zur Kompaktkamera die Objektive wechseln. Das hat Vor- und Nachteile:
  • Es ist umständlicher
  • Es dauert länger, bis du bereit bist zu fotografieren
  • Du musst immer mehrere Objektive mitschleppen, wenn Du flexibel sein willst
  • Aber: Der mögliche Objektivwechsel ist gleichzeitig der entscheidende Vorteil, denn Du kannst flexibel sein! Du kannst für jedes Motiv das optimale Objektiv verwenden.
  • Die Qualität der Fotos ist – insbesondere bei besseren Objektiven – viel besser als bei den fest verbauten, kleinen Objektiven

WIE UNTERSCHEIDEN SICH SYSTEMKAMERA UND SPIEGELREFLEXKAMERA?

Systemkamera

Die Systemkamera unterscheidet sich von der Spiegelreflexkamera, weil bei ihr das Bild, das Du durch den Sucher siehst, elektronisch erzeugt wird. Das Licht fällt durch das Objektiv auf den Sensor, dort entsteht sozusagen das Bild von der realen Situation. Und dieses Bild wird auf elektronischem Weg zum  Sucher übertragen und dort für Dich angezeigt.

Spiegelreflexkamera

Bei Spiegelreflexkameras hingegen werden die Lichtstrahlen über ein Spiegelsystem in den Sucher geleitet, so dass du im Prinzip ein Spiegelbild der realen Situation siehst und kein elektronisch erzeugtes Bild. Bei der Aufnahme wird der Spiegel dann kurz „weggeklappt“, so dass das Licht auf den Sensor fallen kann. Für die Spiegel-Funktion wird etwas Platz benötigt, daher sind Spiegelreflexkameras normalerweise etwas größer und schwerer als Systemkameras. Der Klappmechanismus ist anfälliger für Störungen als der elektronische Vorgang, bei dem das Bild auf den Sucher geleitet wird. Außerdem hörst Du immer ein Klicken bei der Aufnahme, da hier wirklich ein mechanischer Vorgang in der Kamera stattfindet. Das kann insbesondere bei der Wildtierfotografie störend sein, aber auch zum Beispiel bei feierlichen Anlässen in der Kirche, wenn rundherum alles still ist.
Andererseits ist das optisch erzeugte Sucherbild detailgetreuer als das elektronisch erzeugte, das bereits bearbeitet und verändert, bevor es überhaupt bei Dir ankommt. Und natürlich benötigst Du auch mehr Strom, um ständig das Bild zu erzeugen, was zu einer stärkeren Belastung des Akkus führt. Ein Ersatzakku ist daher Pflicht bei Systemkameras.
Im Vergleich lässt sich festhalten:

Vorteile Systemkamera

  • Etwas kompakter und leichter
  • Leises Auslöse-Geräusch
  • Wenig störanfällig

Vorteile Spiegelreflexkamera

  • Optisches Sucherbild
  • Längere Akku-Laufzeit
Für beide Kameratypen gilt: Sie bieten bei den Einsteiger- und Fortgeschrittenen-Modellen Automatik-Programme an, die es Dir ermöglichen schnell Fotos zu machen. Du musst also nicht unbedingt die Einstellungen selbst machen, um ein gutes Foto zu machen.
Aber Du kannst es, wenn Du es willst! Und das eröffnet Dir ungeahnte Möglichkeiten, Du bist in der Lage, Deine Fotos wirklich selbst zu gestalten und zu beeinflussen. Und das – glaube mir – macht einfach wahnsinnig viel Spaß! Das kannst Du zwar auch mit einigen Kompaktkameras, aber durch die Auswahl des optimalen Objektivs zu der jeweiligen Aufnahmesituation kannst du Deine Fotos noch weiter verbessern.
TIPP: Ich hatte kürzlich einen Leser, der sich als Anfänger gleich ein Profi-Kamera-Modell geholt hat. Diese Kameras bieten häufig keine Automatik-Programme an – was ja eigentlich logisch ist, sie sind ja Geräte für Profis, die keine Automatik-Programme verwenden. Wenn Du also nicht bereit bist, Dich mit Blende, Belichtungszeit und ISO zu beschäftigen, lass die Finger von diesen Profi-Kameras und steige mindestens eine Stufe tiefer ein.

FAZIT

Mit allen drei beschriebenen Kameratypen kannst Du wirklich gute Fotos machen – du musst für Dich entscheiden, welcher Typ für Deine Einsatzzwecke geeignet ist.
  • Wenn Du die Kamera gern in Deiner Hand- oder Hosentasche mitnehmen möchtest, damit Du sie immer dabei hast, muss eine Kompaktkamera her.
  • Wenn Du Dir keine Zeit beim Fotografieren nehmen möchtest, sondern hauptsächlich in Gesellschaft Schnappschüsse machst, brauchst Du keine Kamera, bei der Du die Einstellungen selbst machen kannst. Dann reicht eine mit Automatikprogrammen.
  • Wenn Du keine Lust dazu hast, Objektive zu wechseln und zu tragen, muss auch eine Kompaktkamera her.
  • Wenn Du eine leichte, kompakte Kamera haben möchtest und Dich trotzdem mit den Details wie Blende, Belichtungszeit und ISO beschäftigen möchtest, dann muss eine höherwertige Kompaktkamera her, die es erlaubt diese Einstellungen selbst vorzunehmen. Eine Alternative wäre in diesem Fall auch eine kleine Systemkamera.
  • Wenn Du keine Lust hast, Dich mit den Einstellungen zu beschäftigen und ein paar technische Details zur Fotografie zu lernen, muss Deine Kamera auf jeden Fall Automatik-Programme bieten, am besten für mehrere Situationen (Landschaft, Makro, Sport, Nacht, …). Es gibt Kameras von allen drei Typen, die diese Automatikprogramme bieten.
  • Wenn Du gern tiefer in die Fotografie einsteigen möchtest und kein Problem mit Objektivwechsel und zusätzlichem Gepäck hast und außerdem einfach tolle Fotos machen möchtest, die Du Dir vielleicht auch vergrößert an die Wand hängen möchtest, dann kannst Du zwischen Spiegelreflex- und Systemkamera wählen.

Und was ist besser – Spiegelreflex oder System?

Das ist eine schwierige Frage… Du wirst immer Hobby-Fotografen finden, die auf das eine schwören und andere, die auf das andere schwören.
Sagen wir einmal so: Wenn ich heute neu anfangen würde, würde ich wahrscheinlich eine Systemkamera kaufen. Denn die sind doch etwas leichter als meine Spiegelreflex. Als ich angefangen habe, steckten die Systemkameras noch in den Kinderschuhen, daher bin ich damals auf eine Spiegelreflexkamera gegangen. Die Technik war noch nicht ausgereift und es gab nur wenig Zubehör. Das hat sich mittlerweile geändert, daher kannst du heute auch eine andere Entscheidung treffen.
TIPP: Erlaube mir einen abschließenden Tipp: Es ist nicht die Kamera, die gute Fotos macht, sondern die Person hinter der Kamera. Wenn Du also bereits eine recht gute Kamera hast und mit der Qualität Deiner Fotos nicht zufrieden bist, dann beschäftige Dich erst einmal mit den Basics der Einstellungen, mit Bildgestaltung usw. Die unten stehenden Artikel können Dir dabei helfen. Erst wenn Du Dich wirklich ausgiebig damit beschäftigt und auch viel probiert hast und die Fotos immer noch nicht so sind, wie Du möchtest, würde ich Dir zu einem Upgrade Deiner Kamera raten. Du wirst überrascht sein, wie schnell Du Deine Fotos verbessern kannst, wenn Du ein paar Punkte beachtest.