Die Weihnachtszeit eignet sich hervorragend, um Bokeh-Fotos zu machen. Weißt du, was Bokeh bedeutet?

Das Wort stammt aus dem Japanischen und bedeutet so viel wie „unscharf“. Häufig spricht man von Bokeh-Fotos, wenn im Hintergrund Lichtpunkte zu großen Kreisen oder Ringen werden. Solche Lichtpunkte findest du in der Weihnachtszeit überall: beleuchtete Weihnachtsbäume, brennende Kerzen und Lichterketten liefern wunderschöne Bokeh-Fotos.

Vor einigen Jahren habe ich die freie Zeit über Weihnachten genutzt, um dieses Foto mit einem kleinen Engel zu machen.

WIE BIN ICH DAFÜR VORGEGANGEN?

  1. Ich habe an eine dunkle Wand in einem relativ dunklen Zimmer eine Lichterkette angebracht.
  2. Etwa zwei Meter davor habe ich einen kleinen Tisch hingestellt, auf diesen Tisch habe ich einen Bogen schwarzen Tonkarton gelegt. Darauf habe ich den Engel gestellt.
  3. Die Kamera habe ich auf einem Stativ angebracht und auf eine Höhe mit dem Engel gebracht. Den Engel habe ich anfokussiert. Ich war relativ nah an dem Engel, der Abstand zur Wand war deutlich größer.
  4. Meine Einstellungen waren: f/4.5, Belichtungszeit 1/80s, ISO 800 bei einer Brennweite von 70 mm. Heute würde ich den ISO-Wert auf 100 setzen, dadurch würde sich die Belichtungszeit verlängern. Aber wenn ich vom Stativ fotografiere, stören lange Belichtungszeiten nicht.
  5. Das Fenster war auf der linken Seite, so dass etwas Licht von links auf den Engel fiel (deshalb ist die rechte Seite des Engels im Schatten und dunkler).

Durch die weit geöffnete Blende ist wirklich nur der Engel im Fokus und scharf dargestellt, die Lichterkette an der Wand wird zu schönen, orangen Lichtpunkten.
Solch einen Effekt erreichst Du aber nicht nur durch künstliches Licht, Du kannst auch natürliches Licht nutzen.

BOKEH-FOTOS MIT NATÜRLICHEM LICHT

Werte:

  • Blende f/10
  • Belichtungszeit 1/160 s
  • ISO-Wert: 100
  • Brennweite 105 mm
  • Modus: A/Av

In den letzten Weihnachtsferien habe ich einen schönen, kalten aber schneefreien Morgen genutzt, um zu Eckertalsperre bei Bad Harzburg zu wandern. Die Temperatur lag knapp unter dem Gefrierpunkt als ich losging. Der Weg führte anfangs steil bergan durch einen Wald. Ich hatte mich schon früh gegen 7:30 Uhr auf den Weg gemacht, denn ich mag die Ruhe und hatte keine Lust auf überfüllte Wanderwege und Locations. Ich stapfte also durch den dunklen Wald und fragte mich gerade, ob ich wohl die richtige Wahl getroffen hätte oder ob es dunkel und bewölkt sein würde. Da sah ich quasi das „Licht am Ende des Tunnels“: Über der Bergkuppe ging die Sonne auf und tauchte die ganze Szenerie in ein wunderschönes Morgenlicht. Der bis dahin gefrorene Raureif taute und überall funkelte und strahlte es.

Als ich nach dem Anstieg wieder bei Puste war und ich mich an dem wunderschönen Ausblick satt gesehen hatte, nahm ich meine Kamera und suchte nach Motiven. Ich fand dieses Gras, das wunderschön mit Tautropfen übersehen war. Im Hintergrund befanden sich viele weitere Gräser, die ebenfalls Tautropfen oder aber Eiskristalle zierten. Die Sonne kam schräg von der Seite, und brachte die Tropfen und Eiskristalle zum Glitzern.

Hinweis: Beim Fotografieren gilt das Sprichwort „Morgenstund hat Gold im Mund“ noch mehr als im normalen Leben. Während an einem sonnigen Tag die Sonne hochsteht und sehr harsche Schatten produziert, gibt es für mich keinen schöneren Zeitpunkt als den Sonnenaufgang plus/minus 1 Stunde zum Fotografieren. Die Lichtstimmung verändert sich ständig, Nebel steigt auf, es zeigen sich häufig wunderschöne Farben – einfach traumhaft!

Diesen Effekt nutzte ich bei meinem Bild. Mein Ziel war es, das eine Gras scharf darzustellen und den Hintergrund in einem Bokeh erstrahlen zu lassen.

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ZUSAMMENFASSUNG

Um ein solches Bokeh-Foto zu erreichen, bist Du auf zwei Dinge angewiesen:
  • Lichtreflexe im Hintergrund (z.B. durch Lichtreflexionen oder eine Lichterkette)
  • Einen unscharfen Hintergrund, denn wenn diese Lichtreflexe unscharf sind, werden sie zu diesen wunderschönen, leuchtenden Punkten.
Wie Du einen unscharfen Hintergrund bekommen, weißt du bereits aus meinem Artikel „Rezept: Wie bekomme ich den Hintergrund unscharf“:
  1. Blende weit öffnen
  2. lange Brennweite nehmen
  3. den Abstand zwischen Motiv und Hintergrund vergrößern
  4. den Abstand zwischen mir und dem Motiv möglichst klein halten.

Dass nicht immer alle Punkte erfüllt sein müssen, zeigt das Bild von meiner Winterwanderung. Ich wollte das Gras gern insgesamt scharf darstellen, daher durfte ich die Blende nicht zu weit öffnen. Die Tiefenschärfe ist sonst nur sehr gering, insbesondere, wenn du nah an das Motiv herangehst. Dann wäre nur ein Teil der Tropfen scharf gewesen, und das hätte ich nicht so hübsch gefunden. Daher musste ich etwas experimentieren, bis ich das gewünschte Ergebnis erreichte.

Mit 105 mm hatte ich eine lange Brennweite. Das Gras ragte aus einer Menge von Gräsern heraus und ich habe es so ins Bild gestellt, dass der Abstand zu den blitzenden Gräsern im Hintergrund möglichst groß war. Außerdem ging ich so nah wie möglich an das Gras heran. Ich war selbst überrascht, dass ich mit einer Blende von f/10 noch solch einen schönen Bokeh-Effekt erreichen konnte. Die Belichtungszeit von 1/160 s hat die Kamera automatisch hinzugemischt, denn ich habe im Modus A/AV fotografiert, bei dem du die Blende wählst und die Kamera die Belichtung hinzu mischt.

Worauf wartest du? Jetzt ist der ideale Moment, um Bokeh-Fotos zu machen!
Viel Spaß dabei
Nicky