Die Vielfalt an Food-Blogs ist ja mittlerweile überwältigend und ich stöbere sehr gern auf diesen Blogs. So viele tolle, appetitanregende Fotos! Oft sind sie so gut gemacht, dass einem buchstäblich das Wasser im Munde zusammenläuft. Wer aber schon mal Food-Fotos gemacht hat, weiß, dass das nicht selbstverständlich ist. Die Fotos wirken gelbstichig, die Farben des Gerichts kommen nicht gut heraus, der Bildaufbau ist nicht ansprechend – ich könnte die Liste unendlich fortführen. Beim Fotografieren gibt es also einige Punkte, die zu beachten sind und die die Qualität der Fotos wesentlich verbessern können.

Übrigens ist mir bei der Suche nach interessanten Foodblogs die Ernährungsphilosophie häufig nicht so wichtig, mir ist es egal, ob vegan, Paleo, zuckerfrei oder zuckerhaltig, vegetarisch oder gegrillt (dann meistens fleichlastig). Hauptsache es gibt ein paar schöne Fotos und leckere Rezepte. Meine Lieblingsblogs sind zum Beispiel Emmi kocht einfach,  Kochkarussell, Eat this oder Die Gaumenfreundin. Aber auch englisch-sprachige Blogs stehen auf meiner Leseliste, wie z.B. Pinch of Yum oder Damn Delicious. Möchtest du auch gern solche Food-Fotos machen, weißt aber nicht, worauf Du achten solltest? Dann habe ich hier ein paar Tipps für Dich!

WELCHER STIL GEFÄLLT DIR? 

Bevor Du loslegst solltest Du Dir über Dein Ziel klar werden. Und wieder einmal empfehle ich Dir Pinterest als Inspirationsquelle – wenn Du im Suchfeld Food-Fotografie eingibst bekommst Du eine riesige Auswahl. Sieh Dir die Fotos an – welche gefallen Dir? Eher die hellen Fotos? Oder doch die dunklen Fotos? Nahaufnahmen? Magst Du es, wenn viele passende Utensilien mit auf dem Foto sind und eine ganze Geschichte erzählt wird oder magst Du es lieber, wenn das Gericht der alleinige Hauptdarsteller ist? Es ist wichtig, dass Du am Ende Deinen eigenen Stil findest, aber zu Anfang solltest Du vielleicht verschiedene Stile ausprobieren.

Lass Dich also inspirieren und entscheide Dich zunächst für einen Stil, den Du als Erstes ausprobieren möchtest.

Hinweis: Beim Erstellen dieses Artikels ist mir aufgefallen, dass es zur Food-Fotografie sehr, sehr viel zu sagen und erklären gibt. Das kann ich unmöglich alles in einem Artikel unterbringen. Wenn Du also mehr zu diesem Thema lesen möchtest, freue ich mich über eine kurze Mail an nicky@fototraum.land, dann werde ich auch zukünftig noch einmal darüber berichten. 

DIE VORBEREITUNG

Gute Food-Fotos verlangen einiges an Vorbereitung. Einerseits muss das Gericht vorbereitet werden bzw. eingekauft werden, andererseits muss aber auch das Setting vorbereitet werden. Ganz wichtig: Achte bereits beim Einkauf darauf, dass Du direkt vor dem Shooting frische, knackige Lebensmittel einkaufst und diese dann nicht lange liegen lässt. Wenn zum Beispiel das Obst und Gemüse nicht wirklich frisch sind, kommt das natürlich auf dem Foto heraus. 

Stell Dir vorab ein paar Fragen: 

  • Soll es ein helles Foto werden oder vielleicht ein dunkles?
  • In welchen Farbtönen soll die Gesamtaufnahme gehalten werden? Soll alles eher Ton in Ton sein oder doch lieber mit Kontrastfarben?
  • Wo soll die Aufnahme gemacht werden? (Am besten eignet sich Tageslicht, aber dazu unten mehr)
  • Wie soll die Bildkomposition sein?
  • Aus welchem Winkel soll das Foto aufgenommen werden?
Da gibt es einiges zu bedenken und du solltest Food-Aufnahmen daher immer gut vorbereiten. Gerade bei frisch zubereiteten Gerichten ist es sehr wichtig, dass Du die Fotos direkt nach der Zubereitung machen kannst. Das Setting solltest Du dementsprechend bereits vorbereitet haben, so dass Du nur noch den Hauptdarsteller passend platzieren musst.
 
Es empfiehlt sich auch bereits vor der Zubereitung Probeaufnahmen zu machen, so kannst Du ggf. am Setting noch etwas ändern, wenn es Dir nicht so gefällt. Entscheidend ist, dass du die in Deinem Gericht vorhandenen Farben und Strukturen betonst und hervorhebst und nicht abschwächst.

DIE WICHTIGSTE ZUTAT: DAS LICHT

Wie eigentlich immer spielt das Licht die entscheidende Rolle in der Food-Fotografie. Die besten Fotos entstehen bei natürlichem Licht, es sollte schön weich sein und keine harten Schatten werfen. Daher eignen sich besonders Standorte an Fenstern für Food-Aufnahmen. Achte darauf, dass keine Sonne direkt durch das Fenster scheint. Sollte das doch der Fall sein, kannst du das gut mit hellen Gardinen streuen und so weicher machen. Fenster, die zum Norden hin ausgerichtet sind, eignen sich besonders gut, da die Sonne nie vom Norden in Dein Fenster scheint. 

Wenn Dir nicht ausreichend Licht auf Dein Motiv fällt, kannst Du zusätzlich mit Reflektoren arbeiten, die das Licht wieder zurück auf dein Motiv werfen. Dafür eignen sich fertige Reflektoren, bei denen finde ich aber manchmal die Handhabung schwierig. Du benötigst dafür entweder einen Ständer, der den Reflektor in eine feste Position bringen lässt oder eine helfende Hand. Ich arbeite daher gern mit Styroporplatten, die ich zu diesem Zweck mit Klebeband verbunden habe, so dass sie sich gut aufstellen lassen. Die positioniere ich so lange hin und her, bis ich das gewünschte Licht erreicht habe. 

Auf keinen Fall solltest du mit dem direkten Blitz arbeiten. Wenn Du den Blitz an eine Decke leiten kannst und ihn vielleicht noch mit einem Diffuser streuen kannst, ist er unter Umständen geeignet. Aber der fest eingebaute Kamera-Blitz eignet sich nicht gut für die Food-Fotografie, da einzelne Bereiche des Motivs im Normalfall überbelichtet werden und das Foto insgesamt flacher wirkt.

Tipp: Wenn Du tatsächlich auf künstliche Beleuchtung zurückgreifen musst und Du etwas Geld investieren kannst, eignen sich sogenannte “Tageslichtlampen” sehr gut zum Ausleuchten Deines Settings. 

DER WEISSLICHTABGLEICH

Jede Lichtquelle hat eine eigene Farbtemperatur, das Licht kann eher kalt wirken und einen Blaustich haben oder eher warm, dann ist eine Gelbstich enthalten. Die Kameras verfügen in der Regel über die Möglichkeit, den Weißlichtabgleich an die Umgebungs-Umstände anzupassen.

Wenn Du den Weißlichtabgleich zum Beispiel auf “Neon-Kunstlicht” stellst, macht die Kamera das Foto automatisch etwas “wärmer” und nimmt so den Blaustich heraus. Wenn du hingegen auf “Glühlampen-Kunstlicht” stellst, dann macht sie etwas kälter und nimmt den Gelbstich so heraus.

Wenn Du einen Farbstich in Deinen Fotos feststellst, kannst Du etwas mit dem Weißlichtabgleich spielen und probieren, ob Du einen natürlicheren Look hinbekommst. Mich persönlich stört es sehr, wenn der Teller hellblau wirkt, anstatt weiß zu sein. Du solltest also immer auf die “weißen” Anteile Deines Fotos achten – sind die wirklich weiß? Dann ist alles gut, sonst kannst Du noch etwas nachhelfen.

Tipp: Einige Kameras bieten auch die Möglichkeit, den Weißlichtabgleich selbst einzustellen und genau an die aktuelle Situation anzupassen. Dafür müsstest Du allerdings im Handbuch Deiner Kamera suchen, da das bei jeder Kamera anders ermittelt wird. Damit bekommst Du natürlich die besten Ergebnisse. Und wenn Du im RAW-Format fotografierst, kannst Du den Weißlichtabgleich auch im Nachhinein noch komfortabel einstellen, z.B. in Lightroom. 

Die Kirsch-Fotos unten haben drei unterschiedliche “Temperaturen”: 

  • Links: 4000 Kelvin (etwas zu kalt, blauer Farbstich)
  • Mitte: 5950 Kelvin
  • Rechts: 8000 Kelvin (etwas zu warm, gelber Farbstich)

DER KAMERAWINKEL

Für die Food-Fotografie eignen sich verschiedene Kamerawinkel: 

  • auf “Augenhöhe”, wenn die Kamera also praktisch auf einer Höhe mit dem Gericht ist
  • Etwa 45°, also von schräg oben auf das Motiv
  • 90°, von oben auf das Motiv

Und wann solltest Du nun welchen Winkel verwenden?

Blickwinkel “auf Augenhöhe”

Dieser Blickwinkel bietet sich an, wenn…

  • Du höhere, gestapelte Gerichte hast, z.B.
    • Burger
    • geschichtete Desserts im Glas
    • Torten mit mehreren Schichten
    • Sandwiches mit mehreren Schichten

Blickwinkel schräg auf das Motiv

Dieser Blickwinkel kann variiert werden zwischen 25° und 75°. Welcher der “Beste” ist, musst Du je nach Gericht entscheiden. Er bietet sich an, wenn…

  • Du alle Seiten Deines Gerichts zeigen möchtest – etwas von oben, von vorn und von der Seite
  • Du auch etwas von der Umgebung zeigen möchtest
  • Du mit Schärfe / Unschärfe spielen möchtest

Blickwinkel von oben auf das Motiv

Dieser Blickwinkel bietet sich an, wenn…

  • dein Gericht relativ “flach” ist, wie z.B. eine Waffel, ein Brot, Pizza, Suppen oder ähnliches
  • Du die wichtigsten Elemente deines Gerichts von oben gut zu erkennen sind
  • Du einen Überblick über die Szenerie auf dem Tisch geben möchtest
  • Du Deine Fotos z. B. bei Instagram verwenden möchtest

Ich verwende diesen Winkel sehr häufig in meinen Food-Aufnahmen. 

HILFSMITTEL

Wenn Du Dein Gericht für das Shooting herrichtest, wirst Du immer etwas nachbessern müssen, um wirklich appetitliche Fotos zu erhalten. Deshalb solltest Du ein paar Hilfsmittel und Tricks bereithalten: 

  • Kleine Kosmetikpinsel (fusselfrei), mit denen Du Kleckse beseitigen kannst
  • Fusselfreie Küchentücher
  • Pinzetten zur genauen Anordnung von einzelnen Bestandteilen
  • Make-Up-Schwämmchen in Keilform, die du unter dein Gericht legen kannst, damit du eine höhere Position erreichst
  • einen Pinsel, der Krümel, Salzkörner oder gehackte Kräuter gekonnt positionieren oder aber beseitigen kann
  • Kleine Schälchen, die du auf den Kopf auf den Teller legst und Dein Gericht – zum Beispiel einen Salat –  darauf türmst (dann brauchst Du nicht so viel Salat und kannst ihn gut anrichten)
  • Einen Stabmixer, mit dem Du Deine Suppen und Soßen vor dem Anrichten aufschäumen kannst
  • Etwas Öl, mit dem Du Deinen Gerichten eine glänzende Oberfläche verleihen kannst. 
  • Rouladen-Nadeln, mit denen Du Stapel in den Griff bekommst (z.B bei Burgern)

Hast Du jetzt Lust bekommen, selbst leckere Food-Fotos zu machen? Dann warte nicht länger und fange an!

Sei herzlichst gegrüßt

Nicky