Liebst Du den Frühling so sehr wie ich? Der Winter hat seine schönen Seiten, keine Frage. Ich mag den Schnee (wenn ich nicht gerade Auto fahren muss), fahre gern Ski und genieße Spaziergänge in der frischen, eisigen Luft. Aber gegen den Frühling kommt der Winter nicht an. Wenn die ersten etwas wärmeren Tage da sind, wenn sich kleine Blumen den Weg aus dem Boden bahnen, wenn Nebelschwaden in der Oderaue hängen und am Nachmittag die Sonnenstrahlen an der Nase kitzeln, dann hält mich nichts mehr im Haus.

Der Frühling ist für mich einfach die schönste Jahreszeit – auch zum Fotografieren! Plötzlich sind sie wieder da, die farbenfrohen Fotomotive, das Braun des (schneelosen) Winters verschwindet und überall sieht man bereits kleine Farbpunkte, bevor das Grün wieder das Ruder übernimmt.

Möchtest Du diese schöne Jahreszeit auch nutzen, um Fotos zu machen? Ich zeige Dir in diesem Artikel ein paar meiner Lieblingsmotive, vielleicht kann ich Dich damit zum Nachmachen und Ausprobieren inspirieren? Ich würde mich freuen!

MOTIV 1: KLEINE BLUMEN

Die Zeit der Schneeglöckchen und Krokusse ist in den meisten Gegenden bereits vorbei, aber im Frühling gibt es noch viele andere kleine Blumen, die sich so langsam wieder aus dem Boden herausklopfen. Ich zeige Dir hier trotzdem ein paar meiner Schneeglöckchen und Krokus-Fotos. Du kannst meine Erklärungen auf jede andere Blume übertragen – sie sind ja allgemeingültig.

Wenn ich unterwegs bin und eine ganze Schneeglöckchen-Gruppe oder ein Krokus-Feld sehe, bin ich normalerweise total verzückt und neige dazu, die Gesamtsituation festhalten zu wollen. Dabei kommen dann zum Beispiel Fotos wie diese heraus – das sind wirklich Fotos von mir, die ich vor einigen Jahren als Fotografie-Anfänger gemacht habe.

Blende f/10, Belichtungszeit 1/200 s, Brennweite 40 mm

Blende f/7.1, Belichtungszeit 1/100 s, Brennweite 55 mm

Fehler Nr. 1:

Die Fotos sind aus meiner Sichtposition gemacht worden, also von oben auf die Blumen herab. Dabei entsteht ein langweiliges Foto – es ist  genau so, wie jeder Mensch diese Blumen ständig sieht.

Mein Tipp:

Auch wenn es unbequem ist, solche Fotos sollten immer ganz unten auf dem Boden gemacht werden, sozusagen auf Augenhöhe mit den Blumen.

Fehler Nr. 2:

Ich habe mich auf die gesamte Gruppe konzentriert. Man sieht einen „Klops“ von Blumen, ohne jegliche Details, nichts sticht aus der Gruppe heraus, was den Blick des Betrachters festhalten könnte.

Mein Tipp:

Konzentriere Dich auf eine besonders schöne Blume, die sich noch dazu etwas abhebt von den restlichen Blumen, also zum Beispiel am Rand steht, höher heraussteht oder sich ganz allein, abseits von den anderen ein Plätzchen gesucht hat.

Fehler Nr. 3:

Alles ist irgendwie scharf dargestellt. Bei dem gelben Krokusfoto habe ich mit einer Blende f/10 von oben fotografiert, bei den Schneeglöckchen mit f/7.1 von schräg oben. Daher ist der größte Teil des Fotos scharf. Schöner wäre es gewesen, wenn nur mein Hauptmotiv scharf gewesen wäre, der Rest aber unscharf. Wie das geht? Das erkläre ich Dir in meinem beliebten Artikel Rezept: Wie bekomme ich den Hintergrund unscharf?.

Mein Tipp:

Arbeite mit einer etwas weiter geöffneter Blende (kleine Blendenzahl) und achte darauf, dass der Abstand zwischen Deinem Hauptmotiv und dem Hintergrund groß ist.

Die folgenden Fotos sind ein paar Beispiele aus diesem Frühling, bei denen ich die o.a. Tipps besser angewandt habe als bei meinen ersten Versuchen.

Blende f/2.8, Belichtungszeit 1/5000 s, ISO 125, Brennweite 100 mm

Blende f/4.0, Belichtungszeit 1/100 s, ISO 500, Brennweite 100 mm

MOTIV 2: WEIDENKÄTZCHEN

Weidenkätzchen sind für mich ein Inbegriff des Frühlings – sie gehören einfach zum Frühling dazu. Auch mit diesem Motiv habe ich damals erste Gehversuche gemacht – mehr oder weniger erfolgreich. 

Im Nachhinein betrachtet habe ich dabei einige Fehler gemacht…

Was habe ich daraus gelernt? Achte auf den Hintergrund! Dieses Foto wirkt einfach nur durcheinander und der Betrachter kann überhaupt nicht wissen, worauf er bei diesem Foto achten soll. Mal abgesehen von den anderen Zweigen stören auch die Häuser im Hintergrund extrem.

Mein Tipp:

Achte darauf, dass du die Weidenkätzchen so ablichten kannst, dass du einzelne Zweige festhältst ohne störenden Hintergrund.

Bei diesem Foto ist mir das zwar besser gelungen, aber irgendwie spricht es mich trotzdem nicht an. Es ist halt einfach ein Zweig mit Weidenkätzchen vor einem blauen Himmel. Nicht alles ist scharf, es sind harte Schatten zu sehen und keines der Weidenkätzchen steht so richtig im Mittelpunkt.

Mein Tipp:

Konzentriere Dich auf einzelne Weidenkätzchen und gehe nach ran.

Blende f/4.5, Belichtungszeit 1/200 s, ISO 200, Brennweite 100 mm

Bei diesem Foto habe ich die beiden Tipps beherzigt und hatte außerdem noch das Glück, dass es in der vorherigen Nacht gefroren hatte und sich jetzt, am frühen Morgen, kleine Tropfen auf dem Weidenkätzchen befanden, die die Strahlen der aufgehenden Sonne einfingen.

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MOTIV 3: TAGESBEGINN AN EINEM NEBLIGEN TAG

Dieses Motiv eignet sich für Herbst und Frühling, denn dort gibt es häufig Nebel, gerade in den Morgenstunden von schönen Tagen. Ich hatte also zunächst die Wettervorhersage studiert und in den Tagen zuvor darauf geachtet, wo sich typischerweise Nebel bildet. Und dann habe ich mich früh morgens auf den Weg gemacht, um die ersten Sonnenstrahlen einzufangen.

Blende f/13, Belichtungszeit 1/25 s, ISO 400, Brennweite 35 mm, Stativ

Dieses Motiv kommt etwas minimalistisch und malerisch daher. Durch den Nebel sieht man die Bäume nur schemenhaft, der Himmel hatte sich aber kurz vor Sonnenaufgang sehr schön blau und rosa gefärbt. Der Mond wirkte in der Realität etwas größer, als er jetzt auf dem Foto wirkt, ich wollte ihn aber sehr gern gemeinsam mit den Bäumen festhalten und daher wirken sowohl Bäume als auch der Mond etwas klein. 

Blende f/22, Belichtungszeit 0,5 s, ISO 100, Brennweite 24 mm, Stativ

Mein Ziel bei diesem Foto war eine Silhouette von einem Baum im Nebel und einen Himmel mit schönen Farben festzuhalten. Einen Baum ganz allein habe ich leider nicht gefunden, stattdessen sind es mehrere geworden. Da ein Baum aber besonders dominant war, habe ich mein Ziel irgendwie doch erreicht 😉 Die wunderschönen Farben entstanden durch eine Kombination aus dem Nebel mit der aufgehenden Sonne. Allerdings habe ich dieses Foto auch noch etwas in Lightroom nachbearbeitet. Dabei habe ich die Lichter und das Schwarz heruntergesetzt, während ich die Tiefen und das Weiße heraufgesetzt habe. Durch diese Bearbeitung kommen die Farben noch etwas deutlicher zur Geltung.

FRAGE:

Hast du Interesse an Tipps zur Bildbearbeitung? Dann schreib mir gern! Wenn sich genau Interessenten finden schreibe ich auch gern zur Bildbearbeitung. 

Blende f/16, Belichtungszeit 1/30 s, ISO 125, Brennweite 81 mm, Stativ

Blende f/7.1, Belichtungszeit 1/250 s, ISO 100, Brennweite 100 mm

Als die Sonne dann etwas höher gestiegen war und deutlich sichtbar als großer, gelb-oranger Ball zu sehen war, habe ich diese Aufnahmen gemacht. Besonders schön finde ich die einzelnen, durch den Nebel sichtbaren Sonnenstrahlen in einer sonst recht mystischen Umgebung. Bei der einen Aufnahme habe ich zusätzlich durch die Zweige eines noch kahlen Busches fotografiert, so dass ich dem Bild mehr Tiefe verleihen konnte. Wenn du mehr über diese Technik der Bildgestaltung erfahren möchtest, empfehle ich Dir meinen Artikel zum Framing.

Es gibt natürlich noch deutlich mehr Motive im Frühling – welches sind Deine liebsten Motive? Ich freue mich von Dir zu hören. Und nun wie immer – viel Spaß beim Ausprobieren!

Sei herzlichst gegrüßt!
Nicky

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