DIE ETWAS ANDERE ART ZU FOTOGRAFIEREN – IMPRESSIONISTISCHE FOTOGRAFIE

Als ich zum ersten Mal über den Begriff „impressionistische Fotografie“ gestolpert bin habe ich mich gefragt: „Was soll das denn werden? Entweder ich male oder ich fotografiere. Und wenn ich fotografiere möchte ich doch scharfe Fotos haben.“ Das waren meine ersten Gedanken, aber dann habe ich ein paar wunderschöne Fotos von Klaus Tamm, Jürgen Wassmuth und Jutta Engelage gesehen und die haben mich dann doch überzeugt. Plötzlich fand ich die impressionistische Fotografie nicht mehr ganz so uninteressant und ich habe mich damit etwas genauer beschäftigt. Auch wenn meine Werke noch nicht mit denen der genannten Fotografen mithalten können, so sind sie doch zumindest ein Anfang. 
 
Hast Du auch Lust, Dich damit zu beschäftigen? Dann erkläre ich dir in diesem Artikel ein paar Techniken, die Du dabei verwenden kannst. Das Gute ist: bei der impressionistischen Fotografie darfst du endlich mal die Regeln brechen. Eine gewisse Unschärfe ist durchaus gewünscht, das Bild darf – gewollt – verwackelt sein. Das scheint auf den ersten Blick zunächst einmal einfacher zu sein als das „normale“ Fotografieren. Damit die Fotos aber wirklich wirken sind wieder andere Dinge wichtig, die auch nicht so ganz einfach zu erreichen sind, leider… 

Aufgenommen mit Canon EOS 6D, Canon EF 100mm, f/2.8L Macro IS USM, f/2.8. 1/250 s, AV

IMPRESSIONISMUS – WAS IST DAS?

Fangen wir mal ganz vorn an und konzentrieren uns zunächst auf den Begriff „Impressionismus“. Der Impressionismus ist eine Stilrichtung in der Malerei, die vor allem im 19. Jahrhundert geprägt wurde. Vor allen anderen Malern fällt mir dabei Claude Monet ein, dessen Seerosen-Bild mir schon sehr lange ein Begriff ist. Die Stilrichtung wurde sogar nach einem Bild vom ihm benannt: Das Bild zeigt ein kleines Boot bei Sonnenaufgang, es trägt den Titel „Impression, soleil levant“ (soleil levant = Sonnenaufgang). Bei Bildern dieser Stilrichtung geht es weniger darum, jedes Detail korrekt darzustellen. Vielmehr sollten Stimmungen eingefangen werden, das Licht, Bewegungen. Die schnellen Pinselstriche drücken dabei sowohl Bewegungen als auch Unschärfe dar. 
 
Der Impressionismus hat auch Einzug in die Fotografie gehalten. Du benötigst keine zusätzliche Ausstattung, eine einfache Kamera reicht für die meisten Techniken. Was Du aber schon benötigst, ist ein Gespür für Stimmungen, aber auch das kannst Du trainieren. Versuche doch in den nächsten Tagen einmal, Dich auf Deine Umgebung zu konzentrieren. Ist sie besonders ruhig? Oder besonders lebhaft? Wirkt sie bedrückend oder locker-leicht? Von wo kommt das Licht? Ist es grell oder eher diffus? Hell oder eher dämmerig? Wenn Du das ein paar Tage lang gemacht hast, wirst Du schnell besser in  Deiner Wahrnehmung werden. Und das hilft Dir bei Deinen impressionistischen Fotos. 
 
Es gibt viele Techniken, die du verwenden kannst. Für Deinen Einstieg stelle ich dir hier 4 Techniken vor. 

TECHNIK 1: GEWOLLTE KAMERABEWEGUNG

Bei dieser Technik bewegst du bewusst die Kamera während des Belichtungsvorgangs. Das ist zwar eigentlich ein absolutes Tabu in der Fotografie, hier aber durchaus gewollt. 
 
Motive mit Linien sind hier besonders gut geeignet, z.B. ein Wald mit vielen Bäumen, das Meer mit dem Horizont oder ähnliches. 
 
Du benötigst eine lange Belichtungszeit von etwa 1/20s oder länger. Die kannst du z.B. im halbautomatischen Modus T/TV einstellen. Die Kamera wird dann automatisch eine geeignete Blende dazu wählen, die weit geschlossen ist. 
 
Richte die Kamera auf die Mitte der Szene aus und drücke den Auslöser halb herunter, damit die Kamera scharf stellt. Beginne dann mit der Bewegung der Kamera entlang der Linien und drücke dabei den Auslöser ganz durch. Wichtig ist, dass Du die Bewegung noch nicht abbrichst, wenn die Aufnahme noch läuft, sondern erst kurz danach. So erreichst du einen gleichmäßigen Verlauf in dem Foto. 
 
Wenn du magst, kannst du das Bild anschließend am Bildschirm noch etwas nachschärfen, dann kommt der Effekt noch etwas deutlicher zur Geltung. 

Aufgenommen mit Canon EOS 600 D, Canon EF 50 f/1.8 STM, f/16, 1/4s, ISO 100, Brennweite 50 mm

Aufgenommen mit Canon EOS 600 D, Canon EF 50 f/1.8 STM, f/9.0, 1/6 s, ISO 100, Brennweite 50 mm

Aufgenommen mit Canon EOS 600 D, Canon EF 50 f/1.8 STM, f/9.0, 1/6 s, ISO 100, Brennweite 50 mm

TECHNIK 2: SELEKTIVER FOKUS

Aufgenommen mit Canon EOS 600 D, Tamron SP 70 – 300 mm, f/5.6, 1/250s, ISO 800, Brennweite 200 mm

Ach, das ist meine Lieblingstechnik. Ich arbeite sowieso häufig mit einer weit geöffneten Blende, die dafür sorgt, dass nur ein kleiner Anteil des Fotos scharf dargestellt ist und der Rest unscharf.  Für die impressionistische Fotografie treibst Du diese Technik auf die Spitze – du musst darauf achten, dass möglichst wenige Bildinhalte in der Fokusebene liegen. 
 
Bei dieser Technik musst die Blende so weit wie möglich öffnen (z.B. f/1.8 – f/4). Am besten funktioniert sie, wenn Du manuell fokussierst und Dein Hauptmotiv sich möglichst allein in der Ebene befindet, auf die fokussiert wird. 
 
Besonders gut wirken Motive mit Lichtpunkten im Hintergrund und schöne Farben. 

TECHNIK 3: DURCH-FOTOGRAFIEREN

Okay, das ist ein seltsamer Name. Aber mir ist kein besserer eingefallen 😉 Auch bei dieser Technik fotografierst Du mit einer weit geöffneten Blende, also z.B. f/1.8 – f/4. Besonders gut eignen sich Tele-Objektive. 
 
Du positionierst Dich so, dass du zwar einen freien Blick auf Dein Motiv hast, aber rund um Dein Motiv herum sich andere Elemente zwischen dich und das Motiv schieben, Du verwendest also sozusagen einen Rahmen, durch den du hindurch fotografierst. Durch die weit geöffnete Blende ist zwar Dein Motiv scharf dargestellt, alles andere durch den davor liegenden „Rahmen“ aber nicht. 
 
Als Rahmen eignen sich besonders gut leicht durchsichtige Objekte wie z.B. Gräser, Blütenblätter oder Ähnliches. 

Aufgenommen mit Canon EOS 600 D, Canon EF 50 f/1.8 STM, f/2.5, 1/1000 s, ISO 100, Brennweite 50 mm

Aufgenommen mit Canon EOS 600 D, Tamron SP 70 – 300 mm, f/5.0, 1/250 s, ISO 640, Brennweite 183 mm

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TECHNIK 4: PANNING

Panning heißt nichts anderes, als dass du die Kamera während des Auslösens mit deinem bewegten Objekt mitbewegst. Du fokussierst z.B. auf ein fahrendes Auto, hast eine lange Belichtungszeit und folgst mit der Kamera dem fahrenden Auto. Wichtig ist, dass du die Kamera bereits schwenkst, wenn du den Auslöser durchdrückst und dass du sie noch nach der Aufnahme einen kleinen Moment weiter mitziehst. Auch während des Auslösens sollte die Bewegung möglichst gleichmäßig sein. 
 
Auf diese Art bleibt Dein Motiv (also in diesem Beispiel das Auto) scharf, während der Hintergrund unscharf ist. Als Motive eignen sich alle bewegten Tiere, Fahrzeuge usw. 
 
Panning erfordert ein wenig Übung. Du musst dein Motiv gut kennen, wissen aus welcher Richtung es kommt, mit welcher Geschwindigkeit es sich bewegt und in welche Richtung es sich bewegt. 
 
Hier macht Übung definitiv den Meister, vielleicht probierst du es einfach mal aus. 

JETZT BIST DU DRAN

Hast du jetzt Lust bekommen Deine ersten Schritte in der impressionistischen Fotografie zu machen? Dann bin ich gespannt über Deine Rückmeldungen! Ich persönlich finde es wirklich spannend sich auf ganz andere Punkte zu konzentrieren als bei der „normalen” Fotografie. Plötzlich stehen die Stimmung, die Farben, Formen und Muster im Vordergrund und nicht mehr die Technik. Hin und wieder empfinde ich das als sehr bereichernd und die Fotos, die dabei entstehen, sind eine Abwechslung in meinem Portfolio. 
 
Ich wünsche Dir jetzt viel Spaß dabei!
Sei herzlichst gegrüßt
Nicky