ANGABEN ZUM MOTIV

Einstellungen: ISO 400, Blende f/5.6, Brennweite 200 mm, Belichtungszeit: 1/4000 s

Dieses Foto habe ich auf dem wunderschönen Darss aufgenommen, als ich meinen ersten mehrtägigen Fotokurs besucht habe. Es war an diesem Tag windig und wir hatten etwas Wellengang. Die Wellen trafen in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen aber mit unterschiedlicher Höhe am Strand ein. Wir sollten mit den Belichtungszeiten spielen und die Bewegung des Wassers entweder einfrieren, so dass die Tropfen einzeln zu erkennen waren, oder aber verwischen. Bei diesem Foto habe ich mich für das „Einfrieren“ entschieden.

WAS WOLLTE ICH MIT DIESER AUFNAHME ERREICHEN

Wie oben bereits erwähnt wollte ich die Tropfen des Wassers einfangen, die entstanden, wenn eine Welle auf dem Zaun klatschte. Um das Motiv etwas spannender zu gestalten, achtete ich außerdem darauf ein für diese Gegend typisches Motiv mit einzubinden – die Möwe, die auf dem Pfosten saß und sich von dem Getose der Wellen und den beobachtenden Fotografen nicht beeindrucken ließ. Ich konnte also in diesem Foto einerseits die unbewegten, starren Motivteile (Zaun, Möwe) genauso einfangen wie das tosende Meer.

BENÖTIGTE AUSRÜSTUNG

Für diese Foto benötigte ich eigentlich nur meine Kamera und ein Teleobjektiv. Die Möwe saß einige Meter entfernt von mir auf dem Pfosten, da half das Teleobjektiv, sie nah genug heranzuholen. Mit einer kleineren Brennweite wäre sie zu klein auf dem Foto gewesen. Ein Stativ benötigte ich in diesem Fall nicht, da ich mit einer sehr kurzen Belichtungszeit gearbeitet habe und somit keine Verwacklungsgefahr bestand.

KURZE BELICHTUNGSZEIT ZUM EINFRIEREN DER TROPFEN

Da das Wasser beim Auftreffen auf dem Zaun eine relativ große Geschwindigkeit hatte, musste ich zum Einfrieren der einzelnen Tropfen mit einer sehr kurzen Belichtungszeit fotografieren. Bei längeren Belichtungszeiten hätten sich die Tropfen während der Aufnahme weiter bewegt und somit hätte ich eine Bewegungsunschärfe im Foto gehabt.
Wenn du die Belichtungszeit selbst wählen möchtest, musst du entweder den Modus T/TV oder M deiner Kamera wählen. In beiden kannst du die Belichtungszeit selbst einstellen – beim Modus „M“ musst du auch die Blende einstellen, das übernimmt im Modus T/TV die Kamera.
Obwohl ich diese Aufnahme am helllichten Tage gemacht habe, musste ich darauf achten, dass sie hell genug wurde. Bei einer solch kurzen Belichtungszeit von 1/4000 s kommt nur sehr wenig Licht auf den Sensor. Das musste ich also durch die anderen Einstellungen ausgleichen.

KURZE BELICHTUNGSZEIT AUSGLEICHEN

Welche Einstellungen kommen dafür in Frage? Natürlich, die Blende und der ISO-Wert. Die Blende hätte ich normalerweise bei solch einer Landschaftsaufnahme etwas weiter geschlossen, also eine höhere Blendenzahl verwendet, zum Beispiel f/11. Damit wäre das Foto vermutlich aber zu dunkel geworden, daher öffnete ich die Blende mit f/5.6 weiter und erhielt somit eine größere Öffnung, durch die Licht in die Kamera kommen konnte.
Das allein reichte aber noch nicht aus, ich habe auch den ISO-Wert noch etwas erhöht und damit den Sensor etwas lichtempfindlicher gemacht. Daher benötigte er nicht ganz so viel Licht wie bei ISO 100. Dieses Foto habe ich mit meiner ersten Spiegelreflexkamera gemacht, die mit den heutigen nicht wirklich vergleichbar ist. Das sieht man auch an der Qualität des Bildes – wenn du genau hinsiehst und etwas hineinzoomst, erkennst du ein Rauschen im Himmel und im Meer, das auf den höheren ISO-Wert zurückzuführen ist. Ich finde es aber noch nicht so störend, dass ich das Foto deshalb löschen würde.
Die Kombination der drei Werte ergab dann eine ausreichende Helligkeit des Fotos.

BILDGESTALTUNG

Beim Fotografieren habe ich noch nicht so sehr auf die Bildaufteilung geachtet. Die Möwe saß sehr mittig im Foto und der helle Zaun nimmt gerade im rechten Bereich viel Platz ein, ohne dass dort viel mit dem Wasser passieren würde. Außerdem ist der Zaun ganz rechts unscharf, da ich mit einer weit geöffneten Blende gearbeitet habe und dieser Bereich nicht mehr in der scharfen Ebene lag. Daher habe ich mich dazu entschlossen, das Foto zu beschneiden.

Beim Beschneiden zeigte sich ein neues Problem: Wenn ich im Querformat blieb, musste ich entweder die Möwe oder einen Teil der Wassertropfen im unteren Bereich „abschneiden“. Damit wäre eines beiden Hauptmotive nicht mehr in ausreichender Form auf dem Foto gewesen.

Daher entschied ich mich, es mit dem Hochformat zu probieren, da ich so sowohl die Möwe als auch die Tropfen behalten konnte. Die Möwe und der Pfosten, auf dem sie sitzt, befinden sich jetzt auf der rechten Drittellinie, der Horizont in etwa auf der oberen Drittellinie.

WAS HÄTTE ICH BESSER MACHEN KÖNNEN

  1. Der Pfosten, der sich direkt hinter der Möwe befindet. Diese Anordnung hätte ich vermeiden können, wenn ich etwas weiter nach rechts oder nach links gegangen wäre. Aber leider hatte ich bei der Aufnahme nicht darauf geachtet – jetzt ist er da …
  2. Der Zaun ist sehr hell und lenkt das Auge des Betrachters leider weg von der Möwe, er ist zum Teil reicht dominant. Das habe ich durch das Beschneiden des Fotos versucht zu beheben, bei der Aufnahme hätte ich es nicht verhindern können.

WELCHE TYPISCHEN FEHLER KÖNNTEN DIR PASSIEREN

Zu lange Belichtungszeit: 
Das Wasser bewegt sich sehr schnell, das sind sehr kurze Belichtungszeiten absolut wichtig. Und mit kurz meine ich wirklich kurz. 1/4000 s ist die kürzeste Belichtungszeit, die meine Kamera bot. Du kannst aber natürlich auch ein paar Fotos mit unterschiedlichen Belichtungszeiten machen und selbst entscheiden, welche eine ausreichende Tropfenschärfe gewährleistet. Kurze Belichtungszeiten erfordern häufig höhere ISO-Werte, daher solltest du keine kürzeren Zeiten verwenden, als du für dein Motiv benötigst.
Foto unterbelichtet:
Die sehr kurze Belichtungszeit musst du durch eine weit geöffnete Blende und einen erhöhten ISO-Wert ausgleichen, da dein Foto sonst unterbelichtet wird.
Horizont schief: 
Das passiert häufig bei Aufnahmen am Meer – der Horizont ist schief und das Meer scheint zur Seite aus dem Bild zu laufen… Achte also darauf, dass der Horizont immer waagerecht verläuft.
Möwe nicht scharf:
Bei der weit geöffneten Blende musst du sehr darauf achten, dass die Möwe als dein zweites Hauptmotiv wirklich scharf ist. Dazu fokussiere ich auf das Auge des Tieres, denn dort geht der Blick des Betrachters in der Regel hin.
Störende Bildelemente:
Du hast dich so auf die Einstellungen, die Möwe und das heran eilende Wasser konzentriert, dass du leider übersehen hast, dass sich störende Bildelemente im Foto befinden – so wie es mir mit dem Pfosten passiert ist.

ZUSAMMENFASSUNG

Bei dieser Aufnahme waren folgende Punkte wichtig:
  • Sehr kurze Belichtungszeit
  • Höherer ISO-Wert und weit geöffnete Blende, damit das Foto nicht unterbelichtet ist
  • Bildgestaltung mit Möwe und Pfosten auf der Drittellinie
  • Ein gerader Horizont
  • Im richtigen Moment abdrücken

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