Stell Dir einmal vor: Du bist nachts mit Deiner Kamera unterwegs und genießt die Stille in der freien Natur. Der Mond scheint noch, ein paar Sterne sind zu sehen. Leichte Wolkenschleier schieben sich getrieben durch den auffrischenden Wind immer wieder vor den Mond. Es liegt Schnee, der die Landschaft in einen wunderschönen weißen Mantel hüllt. In der Ferne kündigt sich der anstehende Sonnenaufgang an. Du kommst zur Ruhe. Und genießt den Moment. 

Was kann es Schöneres geben? Ich hatte genau dieses Erlebnis am Donnerstag, als ich zu einem Guten-Morgen-Fotospaziergang im Harz am Prinzenteich in der Nähe von Buntenbock unterwegs war. Genau das Richtige für mich als introvertierte Person – Ruhe, Alleinsein, Natur. Traumhaft. Diesen Moment musste ich natürlich mit meiner Kamera festhalten, ist ja klar 🙂

Wenn Du nachts oder am frühen Morgen fotografierst, musst Du ein paar Dinge beachten. Denn in der Nacht gibt es wenig Licht, daher benötigst Du lange Belichtungszeiten, um ausreichend Licht auf Deinen Sensor zu bekommen. Lange Belichtungszeiten bringen aber auch eine hohe Verwacklungsgefahr mit sich, was wiederum bedeutet, dass Deine Fotos unscharf werden. Stell Dir vor, Du musst Deine Kamera für 13 Sekunden stillhalten, denn so lange habe ich diese Bilder belichtet. Da kannst Du es nicht verhindern, dass Du Deine Kamera etwas bewegst, wenn Du sie in der Hand hast. Das Ergebnis: Das Bild ist verwackelt, es ist unscharf. Daher mein erster Tipp: 

VERWENDE UNBEDINGT EIN STATIV

Ich habe mir vor einigen Jahren ein sehr stabiles Stativ von Manfrotto gegönnt und das leistet in diesen Fällen sehr gute Arbeit. Die Kamera wird mit einer Wechselplatte auf dem Stativ fixiert, das ich mit einem Kugelkopf ausgestattet habe. Die Beine kann ich in unterschiedliche Höhen flexibel ausfahren – auch für schräge Positionen, denn jedes Bein kann manuell auf eine andere Höhe gestellt werden. 

Leider hat das alles auch seinen Preis: Die Stative sind nicht ganz günstig und außerdem relativ schwer. Es gibt natürlich auch leichtere Modell, die sind dann aber entweder nicht so stabil oder aber noch teurer. Ich habe mich für den Mittelweg entschieden und bin eigentlich sehr zufrieden damit. Allerdings musst Du auch bedenken, dass es immer einen Moment dauert, bis Du das Stativ in der gewollten Position hast. Und wenn Dir die Perspektive dann nicht gefällt heißt es wieder von vorn anzufangen – das kann mitunter schon dauern, es ist also Geduld gefragt. 

Aber wie bereits gesagt – in solchen dunklen Situationen hast Du keine andere Wahl…

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FOTOGRAFIERE IM MANUELLEN MODUS

Nachtaufnahmen erfordern in den allermeisten Fällen, dass Du im manuellen Modus fotografierst. Die Kamera versucht im Automatik-Modus immer, das Foto möglichst mittel-hell zu belichten. Das möchtest Du aber in diesem Fall nicht, Du möchtest ja gerade die dunkle Stimmung einfangen. Daher gelingen Nachtaufnahmen im Automatik-Modus in der Regel nicht so gut. 

Alternative: Einige Kameras bieten den “Nachtfotografie”-Szenemodus. Es ist möglich, dass mit diesem Modus auch Nachtaufnahmen vernünftig gelingen, allerdings habe ich damit keine Erfahrung daher kann ich Dir dazu nicht viel sagen. Aber manuell macht einfach mehr Spaß 🙂 Und Du hast anschließend das Gefühl “das habe ich gemacht”, ein gewisser Stolz nicht ausgeschlossen….

Die Belichtungskorrektur-Anzeige hilft dir hier auch nur begrenzt, denn Du möchtest das Bild ja dunkel haben. Also: am besten einfach ausprobieren und etwas mit Blende und Belichtungszeit spielen. Bei Landschaftsaufnahmen nimmst du in der Regel keine allzu weit geöffnete Blende, also ab f/8 bis f/16 ungefähr. Dann wählst du die Belichtungszeit passend aus und es kann losgehen!

FOKUSSIERE MANUELL

Es ist nicht ganz einfach zu fokussieren, wenn alles dunkel ist. Daher fokussiere ich immer manuell. Ich suche mit eine möglichst helle Stelle bzw. eine Stelle mit starken Kontrasten. In diesem Fall habe ich z.B. an der Stelle fokussiert, wo die Bäume in den Himmel ragen oder aber auf den Mond. Das Fokusfeld verschiebe ich dahin und stelle dann noch die Vergrößerung (Lupe) ein. Dann lässt es sich einfach scharfstellen – probiere es doch einmal aus!

Aufgenommen mit Canon EOS 6D, 24-105 mm, f/7.1, 5 s, ISO 100, Brennweite 24 mm

WÄHLE EINE NIEDRIGE ISO-EINSTELLUNG

Wenn Du hohe ISO-Werte verwendest, benötigst Du nicht ganz so viel Licht auf Deinem Sensor und kannst somit die Belichtungszeiten herunterdrehen. Allerdings hat das einen entscheidenden Nachteil: Je höher der ISO-Wert, umso höher ist auch das Rauschen in Deinem Foto. Und gerade in dunklen Bereichen sieht man das Rauschen leider sehr stark. Daher empfehle ich Dir wirklich, bei Nachtaufnahmen mit niedrigen ISO-Werten zu arbeiten und nur wenn Du wirklich keine Möglichkeit hast, die Kamera auf ein Stativ zu montieren, auch mit höheren ISO-Werten zu experimentieren. 

Ein Foto mit einem ISO-Wert von 6400 – es ist stark verrauscht

NIMM DIR LICHT MIT

Wenn Du Die Knöpfe Deiner Kamera nicht blind bedienen kannst, solltest du unbedingt eine Lampe mitnehmen. Ich habe für diese Fälle eine Stirnlampe, die auch häufig von Läufern verwendet wird. Die verwende ich auch gleich, wenn ich durch die Dunkelheit zu meinem geplanten Standort marschiere. Es reicht aber auch eine normale Taschenlampe. So fällt es Dir leichter die Einstellungen zu machen, das Stativ einzustellen, Dein Zubehör aus dem Rucksack zu kramen usw. 

Tipp: Du kannst auch mit der Taschenlampe bei Deiner Nachtaufnahme arbeiten: Während Du das Bild für mehrere Sekunden belichtest, leuchtest du mit der Taschenlampe kurz auf ein Objekt in Deiner Nähe. Dadurch erscheint diese Objekt heller als der Rest der Umgebung und wird so hervorgehoben. Das funktioniert auch gut mit farbigen Taschenlampen. 

GENIESSE DIE WECHSELNDEN STIMMUNGEN BIS ZUM SONNENAUFGANG

Gerade am frühen Morgen ist es super interessant zu beobachten, wie schnell sich die Lichtstimmungen ändern. Allein deshalb lohnt es sich schon, bis kurz nach dem Sonnenaufgang zu warten. Und im Winter bedeutet das alles zum Glück auch nicht, dass Du schon um 3 Uhr in der Nacht losziehen musst, du kannst relativ entspannt um halb sieben starten – zumindest habe ich das in diesem Fall so gemacht (Ende Januar). Hast Du jetzt auch Lust ein paar Nachtaufnahmen zu machen? Dann wünsche ich Dir viel Spaß dabei. 

Sei herzlichst gegrüßt

Nicky